Coronavirus: Reichenauer spricht über Krankheitsverlauf. Den Reichenauer Tierarzt Wolfgang Tritt hat das Coronavirus hart getroffen. Im Gespräch mit der NÖN spricht er über Albträume im Tiefschlaf und die Zeit nach dem Virus.

Von Tanja Barta. Erstellt am 06. September 2020 (04:34)
Mit dem kleinen Sauerstoffmessgerät (unten links im Bild) hat Wolfgang Tritt seine eigenen Werte eruiert. Ab 2. September nimmt der Tierarzt wieder den Betrieb auf.
Tanja Barta

Wie schnell sich ein Leben innerhalb nur weniger Monate verändern kann, hat Tierarzt Wolfgang Tritt am eigenen Leib erfahren. 31 Tage lag er im Tiefschlaf. Grund dafür war das Coronavirus.

Es war der 21. März, als Wolfgang Tritt mit jenem Sauerstoffmessgerät, das er eigentlich für seine Kleintier-Patienten verwendet, seine eigenen Werte maß und sofort wusste: Er muss ins Krankenhaus. „Mir war klar, dass ich Corona hatte. Ich war gegen die Grippe geimpft und der Husten war auch ein ganz eigener“, erzählt Tritt. In der Corona-Schwerpunktklinik Neunkirchen ging dann alles Schlag auf Schlag. Der Reichenauer Tierarzt wurde sofort auf die Intensivstation gebracht und in Tiefschlaf versetzt. „Ab da habe ich nichts mehr mitbekommen. Ich habe nicht gewusst, dass meine Frau und meine Tochter ebenfalls an Corona erkrankt sind. Die schlimmen ersten Wochen habe ich im Tiefschlaf verbracht“, erinnert sich Tritt.

Die lange Tiefschlafphase war für Tritt psychisch eine Qual. Durchgehende Albträume machten dem Coronaerkankten zu schaffen. „Ich habe überhaupt nicht mitbekommen, was um mich herum passiert ist. Das wurde mir dann alles nachher erzählt. An was ich mich aber erinnern kann, sind die schlimmen Träume, in denen meine Frau sich scheiden ließ oder sie sogar gestorben ist!“

Insgesamt drei Mal versuchten die Ärzte der Intensivstation in Neunkirchen, Tritt aus dem Tiefschlaf zu holen. Zwei Mal musste er erneut intubiert werden, da er einen Atemstillstand hatte. Beim dritten Mal atmete der Reichenauer wieder selbstständig. „Da gab es schon einige Momente, wo mein Leben am seidenen Faden hing. Sie haben um mich wie die Löwen gekämpft“, ist Tritt dem Team des Krankenhauses dankbar.

31 Tage lag der Tierarzt im Tiefschlaf. In dieser Zeit nahm er insgesamt 27 Kilo ab. „Als ich aufwachte, konnte ich nicht mehr gehen. Ich konnte auch nichts in der Hand halten“, so der Reichenauer. Nach seinem Spitalsaufenthalt ging es für ihn vier Wochen lang nach Hochegg, wo er wieder lernte, zu gehen und normal zu leben. „Ich konnte nichts mehr selbstständig machen, das war schon sehr schlimm für mich!“ Um wieder zu seinen alten Kräften zu kommen, stehen tägliche Sporteinheiten und lange Spaziergänge am Programm.

Was Tritt aus den letzten sechs Monaten mitnimmt? „Ich werde sicher nicht mehr so viel arbeiten und die Wochenenden mit meiner Familie verbringen“, so der Tierarzt, der am 2. September seinen Betrieb für Kleintiere wieder aufnimmt.