Uffmann: „Bewegen uns nach wie vor in der Regelmedizin“. Martin Uffmann, interimistischer Ärztlicher Direktor des Landesklinikums Neunkirchen, über die aktuelle Covid-Lage im Krankenhaus, die Situation auf der Intensivstation und die aktuellen Maßnahmen der Politik zur Eindämmung der Pandemie.

Von Philipp Grabner. Erstellt am 07. April 2021 (09:35)
Martin Uffmann ist interimistischer Ärztlicher Direktor am Landesklinikum Neunkirchen.
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NÖN: Wie viele Patienten mit Covid-19-Infektion werden aktuell am Landesklinikum Neunkirchen behandelt?

Martin Uffmann: Mit Stand 2. April versorgen wir 29 Covid-19-Patienten, elf davon befinden sich auf der Intensivstation, alle benötigen eine Beatmungstherapie. Ein weiterer Intensiv-Patient hat keine Covid-19-Infektion, benötigt allerdings ebenfalls eine Beatmungstherapie.

Wäre das Klinikum für einen weiteren Anstieg an Covid-19-Patienten gerüstet oder sind die Kapazitäten dann erschöpft?

Uffmann: Mit diesem Stand ist die Intensivkapazität in unserem Landesklinikum zum gegenwärtigen Zeitpunkt ausgeschöpft. Es gibt jedoch mehrere wirksame Maßnahmen, dazu gehört eine umfassende Betreuung der Covid-19-Patienten auf den Bettenstationen mit zielgerichteter Atemtherapie und Physiotherapie, damit eine intensivpflichtige Behandlung verhindert oder hinausgezögert werden kann. Zudem wurden auf einigen Bettenstationen erweiterte Monitoring-Möglichkeiten geschaffen, damit Patienten frühzeitig von der Intensivstation auf Normalstationen übernommen werden können. Unser Haus ist eingebettet in die Gesamtheit der Landeskliniken in der Thermenregion und darüber hinaus, täglich finden Abstimmungen mit einem überregionalen Intensivkoordinator statt. Zum jetzigen Zeitpunkt ist die intensivmedizinische Betreuung nach wie vor gewährleistet.

Sind noch Intensivbetten frei? Wenn nein, könnte man hier noch zusätzliche Kapazitäten schaffen?

Uffmann: Aufgrund der angespannten Situation werden in der Thermenregion anhand eines Stufenplanes zusätzliche Beatmungsplätze geschaffen. Räumlich und technisch ist dies ohne Weiteres möglich, die Herausforderung besteht in der Bereitstellung von pflegerischem und ärztlichem Personal.

Immer wieder ist zu vernehmen, dass auch junge Menschen an einem schweren Corona-Verlauf leiden. Können Sie dies bestätigen?

Uffmann: Der jüngste Intensivpatient ist Mitte fünfzig Jahre alt, mehr als die Hälfte sind jünger als Mitte Siebzig. Im Vergleich zu den ersten beiden Wellen beobachten auch wir einen Trend hin zu jüngeren Patienten. Unsere jüngste Patientin auf einer Normalstation ist Mitte zwanzig Jahre alt.

Ärzte und Mediziner haben immer wieder vor der sogenannten Triage gewarnt. Ist diese auch in Ihrem Haus Thema?

Uffmann: Eine Triage würde erst bei nicht mehr ausreichenden Ressourcen angewendet werden, dies wird durch Ausbau unserer Kapazitäten und durch umfassende Kooperation verhindert. Wir bewegen uns nach wie vor in der Regelmedizin mit individueller Versorgung all unserer Patienten. Unabhängig davon kann es zu Therapiezieländerungen von Intensivpatienten kommen, bei der wir neben objektiven Kriterien zur individuellen Prognose auch die persönlichen Lebensumstände und den Willen des Patienten einbeziehen. Dies ist ein ganz normales Vorgehen, welches wir auch abseits der Pandemie tagtäglich durchführen.

Sind die nun getroffenen Maßnahmen der Politik ausreichend, um das Virus einzudämmen?

Uffmann: Aus Sicht der Gesundheitseinrichtungen und damit auch der Intensivmedizin sind die Maßnahmen auf jeden Fall zu begrüßen, darüber hinaus kann nur an die Verantwortung jedes Einzelnen appelliert werden, damit es nicht zu einem weiteren Anstieg der Covid-19-Infektionen mit schweren Krankheitsverläufen kommt.