Später Betrugsprozess im Zusammenhang mit Südbahnhotel am Semmering

Erstellt am 18. August 2022 | 13:30
Lesezeit: 3 Min
Das Südbahnhotel am Semmering wird wiederbelebt.
Das Südbahnhotel am Semmering
Foto: Tanja Barta
Im Jahr 2006 hatte ein US-amerikanischer Staatsbürger für Schlagzeilen gesorgt, weil er vorgab, das legendäre, seit 1976 eingestellte Südbahnhotel am Semmering revitalisieren und in ein Fünf-Sterne-Luxus-Hotel umwandeln zu wollen.
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Die Pläne zerschlugen sich. 16 Jahre später musste sich der inzwischen 75-Jährige wegen schweren gewerbsmäßigen Betrugs am Landesgericht Wiener Neustadt verantworten, wie Mirsad Musliu, der Verteidiger des US-Amerikaners, auf APA-Anfrage bestätigte.

"Er wurde am vergangenen Dienstag im zentralen Punkt der Anklage freigesprochen", berichtete Musliu am Donnerstag. Die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt hatte dem aus Michigan stammenden Kaufmann, der in Deutschland gemeldet ist, vorgeworfen, er wäre im ersten Halbjahr 2006 "wahrheitswidrig als Investor" für das Hotel-Projekt am Semmering aufgetreten und hätten einer niederösterreichischen Bank zur Finanzierung als Sicherheit gefälschte Wechsel der Banco do Brasil in Höhe von insgesamt 50 Mio. Euro vorgelegt und zum Verkauf angeboten. Aus dem Diskontgeschäft sollten für ihn und einen mutmaßlichen Komplizen - einen auf Korfu geborenen Griechen, gegen den die Justiz ein separates Verfahren geführt hatte - 45 Mio. Euro "abfallen", besagte die Anklage. Als die Bank ablehnte, wurde ein weiteres Institut kontaktiert, dem wiederum die Wechsel vorgelegt wurden.

Darüber hinaus wurde diesmal ein Ziviltechnikerbüro mit umfangreichen Planungsarbeiten und Auftragsvergaben am Semmering beauftragt, um die Seriosität der vermeintlichen Investoren zu unterstreichen. Das Büro stellte sogar eigens Leute ein, um die Arbeiten bewältigen zu können. Der US-Staatsbürger leistete allerdings nicht die versprochene Anzahlung, wofür der mittlerweile 75-Jährige nun wegen Betrugs mit einem gerichtlich festgestellten Schaden in Höhe von 300.000 Euro zu zwei Jahren Haft, davon acht Monate unbedingt verurteilt wurde.

Der Mann war im heurigen März festgenommen worden und saß seither fünf Monate in U-Haft. Diese Zeit wurde ihm auf den unbedingten Strafteil angerechnet, wie sein Verteidiger berichtete, wurde der 75-Jährige nach der Verhandlung auf freien Fuß gesetzt.

Von den ihm unterstellten beabsichtigten Wechsel-Betrügereien wurde er - ebenso wie der Grieche, der bereits 2012 vor Gericht gestanden war - freigesprochen. Ihnen habe nicht nachgewiesen werden können, dass sie die Wechsel für gefälschte Urkunden hielten und damit in Schädigungsabsicht gehandelt hätten, sagte der Verteidiger. "Abgesehen davon war mein Mandant bei den Auszahlungsgesprächen gar nicht dabei", fügte Musliu hinzu.

Die Entscheidungen des Landesgerichts Wiener Neustadt sind nicht rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft behielt sich Rechtsmittel vor.

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