Parteien wollen mit Pflege punkten. ÖVP will Angehörige entlasten, FPÖ warnt vor Notstand. Beide fordern Lückenschluss bei Lehre.

Von Linda Goldsteiner und Lisa Röhrer. Erstellt am 17. September 2019 (01:40)
Müllner
WolfgangSobotka: „Wir wollen Ältere in den Familien halten.“

Die Pflege ist im Rennen um Wählerstimmen aktuell eines der größten Themen. ÖVP-Spitzenkandidat Wolfgang Sobotka präsentierte dazu das Konzept der ÖVP und auch die FPÖ legte ihre Forderungen dar.

Oberste Priorität sei es laut Sobotka, die „Leute in den Familien zu halten“. Das blau-gelbe Bundesland erreiche hier einen europäischen Spitzenwert: „88 Prozent der Niederösterreicher werden zuhause gepflegt. Das sagt viel über die Familien und ihre Wertehaltung aus“, meinte er. Um die pflegenden Angehörigen zu entlasten, wolle die ÖVP die Pflegekarenz sowie den Pflegeurlaub erweitern. Außerdem sei es angedacht, einen Pflegebonus einzurichten, verkündete der ÖVP-Politiker, der auch die 24-Stunden-Betreuung auf neue Beine stellen will.

"Lehrberuf 'Pflege und Betreuung' müsse einer Reform unterzogen werden"

Die Freiheitlichen werfen der ÖVP hingegen Untätigkeit vor und fordern konkrete Maßnahmen, um NÖ zum „Pflegeland Nummer eins“ zu machen. Man stehe vor einem Pflegenotstand, der „selbstverschuldet und von der ÖVP hausgemacht“ sei, so Landtagsabgeordneter Erich Königsberger. Er warnt vor Personalmangel, überfüllten Pflegeheimen und langen Wartezeiten. Die FPÖ fordert Maßnahmen, wie den Aus- und Neubau von Pflegezentren und stationären Palliativbetreuungen sowie eine Reform des Fördermodells für die 24-Stunden-Betreuung.

Ein Punkt, in dem sich beide Parteien einig sind: Der Lehrberuf „Pflege und Betreuung“ müsse einer Reform unterzogen werden, um ihn für Jugendliche attraktiver zu machen. Derzeit könne die zweijährige Ausbildung zur Pflegefachassistenz erst mit 18 Jahren begonnen werden. „Hier braucht es einen Lückenschluss“, fordert Sobotka. „Zwischen Pflichtschulabschluss und Pflegeausbildung geht wertvolle Zeit verloren“, meint auch Königsberger.