Nach Griff in Säge 17 Stunden operiert. Karl Steurer gerät beim Holzarbeiten in die Kreissäge: Im AKH wird eine medizinische Sensation vollbracht.

Von Christian Feigl. Erstellt am 20. Oktober 2014 (09:05)
NOEN, Franz Baldauf
Karl Steurer ist bereits wieder guter Dinge: Physiotherapeutin Dagmar Rinderer und der Mediziner Stefan Salminger kümmern sich um seine Genesung.

Es dauert nicht einmal eine Sekunde. Nur ein kurzer Moment der Unachtsamkeit und schon hatte die Kreissäge die rechte Hand von Karl Steurer hineingezogen. Mit fatalen Folgen: Vier Finger hingen nur noch lose am Gewebe herunter.

„Hatte so einen Schock und kaum Schmerzen"

Dennoch behält der 55-Jährige kühlen Kopf: „Ich hatte so einen Schock und Adrenalinstoß, dass ich kaum geblutet habe oder Schmerzen hatte“, erinnert er sich an die bangen Minuten des 26. September zurück. Steurer verständigt die Rettung, ruft noch selbst seinen befreundeten Internisten Basil Al Sayegh an und folgt dessen Ratschlägen: „Mit Coolpacks haben wir das Gewebe sofort kühl gehalten, was enorm wichtig ist!“

Mit dem Roten Kreuz wird der Telekom-Mitarbeiter rasch ins Wiener Neustädter Krankenhaus gebracht und dort von den Ärzten Kerstin Habeler und Georg Schmid notversorgt. Da kein Hubschrauber einsatzbereit ist, geht es im Rettungsauto weiter ins Wiener AKH, wo schon ein Spezialistenteam mit Professor Chieh-Han Tzou und Stefan Salminger auf den Patienten wartet.

Karl Steurer wird insgesamt 17 Stunden operiert, die Finger können erhalten bleiben: „Mir wurden Nerven aus der Wade, Sehnen aus der Ferse und Blutgefäße aus dem Unterarm zur Rekonstruktion entnommen. Ein Wahnsinn, was dort geleistet wurde, ich bin allen Beteiligten unendlich dankbar!“

Mit Fingerübungen für Motorik trainieren

Doch nach der Operation beginnt für den engagierten Nachwuchsfußballtrainer – er betreut in Pitten die U15 – erst das eigentliche Bangen: „Denn wir wussten ja nicht, ob der Körper die Finger auch annimmt, oder ob sich irgendeine gefährliche Entzündung bildet. Da hatte ich erstmals wirklich richtige Angst!“

Steurer hat Glück im Unglück: Er übersteht auch die kritische Phase ohne Abwehrreaktionen und ist zurzeit im AKH bereits mit den ersten Fingerübungen beschäftigt, um die Motorik wieder anzukurbeln. Und er hofft, noch diese Woche entlassen zu werden. Dann wird es ihn wohl auf den Sportplatz zu seinen Fußballbuben ziehen, denn dass er die Meisterschaftsspiele nicht miterleben konnte, bereitete ihm sichtlich ebenfalls Schmerzen.

Wenn auch der anderen Art. Die Kreissäge wird er wohl noch einige Zeit meiden, „obwohl ich mein Leben lang Holz gesägt habe. Aber das geht so schnell, dass man sich das eigentlich gar nicht vorstellen kann. Außer man erlebt es selbst!“