Immer weniger Wirte im Bezirk Neunkirchen. Über das „Wirtshaussterben“, das sich auch im Bezirk bemerkbar macht.

Von Christian Feigl, Tanja Barta, Philipp Grabner und Clemens Thavonat. Erstellt am 04. Juni 2019 (04:34)
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Von 94 auf 77 Betriebe. Und das innerhalb von nur zehn Jahren! Auch im Bezirk Neunkirchen macht sich das Sterben der klassischen Wirtshäuser bemerkbar.

„Das ist mittlerweile ein echtes Problem“, sind für Bezirkswirtesprecher Hannes Beisteiner, der mit seiner Familie in Peisching in der fünften Generation ein klassisches Dorfwirtshaus betreibt, die Gründe vielfältig: „Zum einen tun sich Familien schwer, Nachfolger aus den eigenen Reihen zu finden, aber auch das Rauchergesetz und das Personalproblem tragen dazu ihren Teil bei!“ Beisteiner spricht von einem traurigen Trend: „Manche Orte oder Ortsteile haben mittlerweile gar kein Wirtshaus mehr!“

Einer, der am Wochenende schon geschlossen hält, ist der „Karlwirt“ in Saubersdorf. Viele Jahrzehnte war die Familie Karl ein Garant für gute Küche und köstliche Getränke. Nun zieht sich der Wirt langsam zurück: „Es gibt kein Interesse meiner Kinder, das Haus zu übernehmen“, so Adolf Karl. „Zu verpachten ist nahezu unmöglich, weil wir in der Liegenschaft auch wohnen. Somit reduzierte ich meine Öffnungszeiten auf drei Nachmittage in der Woche, wobei auch nicht mehr gekocht wird.“ Er führt den Unwillen seiner Kinder, das Gasthaus zu übernehmen, auf die schwierigen Bedingungen in der Branche zurück.

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Auf eine lange Geschichte zurückblicken kann das Gasthaus „Grüne Wiese“ bei Mariensee, Aspangberg-St. Peter. 1875 erwarb der Urgroßvater des heutigen Besitzers Johann Kronaus das Gebäude, seit 1947 wird es als Familienbetrieb geführt, ehe Kronaus selbst mit seiner Gattin Martina 1982 das Ruder übernahm. „Ich bin mit dem Gastbetrieb groß geworden, für mich war klar, es mal zu übernehmen. Heute ist das anders“, meint Kronaus, der am 1. November wegen Pensionsantritts die Pforten schließt. Als Gastwirt brauche es einen entsprechenden Partner und Rückhalt in der Familie: „Ansonsten geht das nicht.“ Von der Politik würde sich Kronaus echte Unterstützung wünschen.

Ebenfalls eine lange Geschichte hat der St. Johannerhof, später Gasthof Geiger, in St. Johann hinter sich. Nach dem Tod von Wirtenlegende Franz Reiterer war auch die Ära des Gasthofes vorbei. Zwei Jahre lang wurde nach einem Nachfolger gesucht – und es hat sich auch jemand gefunden. Anton Geiger und Gattin Nicole haben in dem Lokal nahezu keinen Stein auf dem anderen gelassen. „Der Umbau hat mir viel Geld gekostet“, so Geiger damals. Knapp vier Jahre nach der großen Eröffnung hat der „Gasthof Geiger“ auch schon wieder geschlossen und steht, wie vor acht Jahren, zum Verkauf.

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