Ehrennadel sorgt für Polit-Zwist. Würflacher Opposition verhindert Ehrung von ÖVP-Chef Walter Mayer. ÖVP kontert: Ex-Mandatar habe „Meilensteine“ gesetzt.

Von Elfi Hagenbichler. Erstellt am 18. Februar 2021 (04:23)
Walter Mayer war 25 Jahre lang Mitglied des Gemeinderates.
ÖVP

Der Diskurs um ein angemessenes Gesprächsklima im und um den Gemeinderat in Würflach ging vergangenen Donnerstag in die nächste Runde. Die Positionen zwischen der ÖVP und der Opposition scheinen verhärtet, der Ton wird schärfer.

ÖVP-Vizebürgermeister Hannes Woltron kann Kritik nicht verstehen.
Grabner

Anlass war ein eher ungewohntes Abstimmungsergebnis in der Gemeinderatssitzung: Beim letzten Punkt auf der Tagesordnung stellte Bürgermeister Franz Woltron (ÖVP) mehrere Anträge bezüglich der Vergabe von Ehrenzeichen für Verdienste in der Gemeinde – alle wurden einstimmig angenommen, bis auf die Verleihung der Goldenen Ehrennadel der Gemeinde Würflach an Gemeindeparteiobmann Walter Mayer (ÖVP).

Mit fünf Gegenstimmen und einer Enthaltung vonseiten der Bürgerliste „Gemeinsam für Würflach“ („GfW“) und eines SPÖ-Mandatars konnte der Antrag, für den eine Zweidrittelmehrheit notwendig ist (es waren nur 16 von 19 Mitgliedern anwesend und eine Enthaltung wird laut Gemeindeordnung negativ gezählt – Anm. der Red.) nicht angenommen werden.

Bürgerlisten-Obmann Roland Reiter kritisiert den langjährigen ÖVP-Chef.
Liste

Roland Reiter, Obmann der Bürgerliste, begründete die Haltung seiner Fraktion vor dem Gemeinderat: „Die Verleihung der Goldenen Ehrennadel wurde bisher nur wenigen Bürgerinnen und Bürgern in Würflach zuteil. Es ist eine Auszeichnung, die man nicht nur daran messen soll, wie viele Jahre eine Person im Gemeinderat oder Gemeindevorstand tätig war, es müssen auch andere Kriterien herangezogen werden. Dazu soll auch der faire und respektvolle Umgang miteinander zählen.“ Mayer habe in den vergangenen Monaten durch wiederholte mediale Aussagen in der periodisch erscheinenden ÖVP-Zeitung „Würflach aktuell“ sowie auf der Internetseite der Volkspartei Würflach die Grenzen einer sachlichen Diskussionsgrundlage weit überschritten. Reiter habe juristische Schritte überlegt, sehe aber mittlerweile nach unzähligen Gesprächen mit seinen Fraktionskollegen davon ab.

„Es gibt Grenzen der Meinungsäußerung, die er überschritten hat“, bekräftigt Reiter im Gespräch mit der NÖN, „unsere Ablehnung ist als rote Karte gegen wiederholtes Foulspiel zu verstehen.“

„Er hat Grenzen der Meinungsäußerung überschritten!“ Roland Reiter, Bürgerliste

Dieser Schritt sei für die künftige Zusammenarbeit und die konstruktive Auseinandersetzung sicher alles andere als förderlich, äußert sich Klubsprecher und Vizebürgermeister Hannes Woltron (ÖVP) auf Anfrage der NÖN: „Walter Mayer hat sich 25 Jahre lang als Gemeinderat, davon 18 Jahre lang im Vorstand für die Gemeinde Würflach eingesetzt und Meilensteine im Bereich Umwelt und Gesundheit gesetzt.“

Es sei traurig, wenn 25 Jahre Gemeindearbeit einfach so zur Seite gewischt würden. Alle Ehrungen seien bisher einstimmig angenommen worden und die Gemeinde verleihe diese nicht inflationär, sondern wohl überlegt aufgrund der jeweiligen Verdienste für die Gemeinde. „Als Parteiobmann muss Walter Mayer Ecken und Kanten zeigen und sich mit der Opposition auseinandersetzen“, begründet er den Diskurs seines Parteiobmannes in den Medien.

Mayer: „Zustimmung der Bürger wichtiger!“

„Man muss unterscheiden können, was ist Gemeindepolitik und was ist parteipolitisch – das ist ein Zeichen politischer Reife“, argumentiert Mayer selbst, der sich im Gespräch mit der NÖN gelassen zeigt: „Persönliche Gekränktheit ist in der Politik unangebracht, persönliche Differenzen haben hier keinen Platz.“ Er wisse, wie die Bevölkerung zu seiner Person und zu seiner Leistung für die Gemeinde stehe: „Die Zustimmung der Bevölkerung ist mir wichtiger als die Zustimmung des Herrn Reiter“, betont er, „wenn man weiß, wer dagegen gestimmt hat, tut es nicht weh!“

Ein Vertreter der Würflacher SPÖ war für eine Stellungnahme bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe leider nicht erreichbar. Die Überreichung der Ehrengaben soll nach der Corona-Krise nachgeholt werden.

Weitere Beschlüsse der Sitzung finden Sie nebenan in der Infobox.