Bischof Alois Schwarz: Mutig sein für Gottes Liebe. Unter dem Titel "Bereitmachen. Durch den Advent mit Bischof Alois Schwarz" ist ein täglicher Impuls unseres Diözesanbischofs auf NÖN.at zu lesen.

Von Bischof Alois Schwarz. Erstellt am 15. Dezember 2019 (05:00)
Pressestelle / Helge Bauer

„Sagt den Verzagten: Habt Mut, fürchtet euch nicht! Seht, hier ist euer Gott! Die Rache Gottes wird kommen und seine Vergeltung; er selbst wird kommen und euch erretten. (Jes 35,4)

Nicht mehr allzu lange dauert es, bis wir Weihnachten feiern, das Fest der Geburt Christi. Die Freude darüber, dass Gott zu uns Menschen kommt und in der Gestalt eines Kindes einer von uns sein will, gibt dem heutigen dritten Adventsonntag seinen liturgischen Namen: „Gaudete!“ (lat.: „Freuet euch!“). Freude ist ein Grundbegriff des Christentums, dessen Kern und Glaubensauftrag das „Evangelium“ (griech.: „Frohe Botschaft“) ist.

Ein alter Adventbrauch, der mir persönlich immer besondere Freude bereitet hat, sind die Rorate-Messen. Bei diesen frühmorgendlichen Advent-Gottesdiensten werden bei mir ganz viele Erinnerungen an die Kindheit wach. Bei uns zu Hause war es üblich, dass jeden Tag mindestens ein Familienmitglied in die Rorate gegangen ist.

Manchmal durften wir mit dem Vater auf dem Traktor mit zur Kirche fahren. Sehr oft aber sind wir die zwei Kilometer vom Hof zur Kirche zu Fuß gegangen – ganz still, so dass oft das einzige Geräusch, das zu hören war, das Knirschen des Schnees unter unseren Schritten war, bis wir dann bei der Kirche ankamen, um im Lichtschein diese heiligen Morgenmessen zu feiern. Das ist ein ganz besonderes Gefühl, wenn die Kirche nur durch das Licht der Kerzen ausgeleuchtet ist.

Eine Kerze gibt Orientierung in einem dunklen Raum, aber sie erleuchtet nicht jeden Winkel. Sie lässt Schatten gelten und Dunkelheiten zu.

In unserer Seele kennen wir auch solche Erfahrungen der Dunkelheit. Das macht uns Angst und wir sind dann sehr oft schnell verzagt. Da fordert uns die heutige Lesung heraus, wenn es heißt, dass wir den Verzagten Mut zusprechen sollen. Dieser Mut, den wir uns auch selbst und anderen zusprechen dürfen, ist das Licht, das die Dunkelheiten unseres Lebens hell werden lässt.

Freilich ist mit einem kleinen Lichtschein der Hoffnung nicht alles Dunkle weg, aber der Mut, diesen Schritt zu setzen, ist der erste Schritt. Es braucht schon Mut, wenn man nach einem Streit um Versöhnung bittet, wenn man zugibt, dass man Unrecht getan hat und um Verzeihung bittet oder, wenn man anderen ihren eigenen Weg zugesteht.

Freuen wir uns heute also gemeinsam darüber, dass auch wir einander Licht sein dürfen, auch wenn wir nicht alles ausleuchten können, auch wenn wir die Dunkelheiten unseres Lebens zulassen müssen.

Ich lade Sie ein, geschätzte Leserin, geschätzter Leser, einem Menschen ein Licht der Hoffnung anzuzünden durch ein Wort des Trostes, durch Zuwendung oder durch geduldiges Zuhören