Berufsschüler erleben Landtag wie ein Computerspiel. Zur politischen Bildung kommen Jugendliche normalerweise in das Regierungsviertel. Da der Berufsschullandtag zurzeit vor Ort nicht stattfinden kann, erleben ihn die Jugendlichen online. Mit Christoph Gravogl und Thomas Trümmel halten sie virtuelle Sitzungen ab.

Von Ondrej Svatos. Erstellt am 23. März 2021 (12:13)

Ruft man den Link zum virtuellen Berufsschullandtag auf, ist man zuerst aufgefordert, seine Figur zu erstellen. Sobald die Teilnehmer des Berufsschullandtages mit dem Aussehen ihrer Figur zufrieden sind, erscheint diese im Foyer eines Gebäudes. Zu sehen sind ein erhöhtes Podium mit Rednerpult und Sitzreihen. Nach einem kurzen Rundblick kann man die Konturen des NÖ-Landtages erkennen. 

Zuerst können die App-User ihre eigene Figur erstellen
Usercontent, NÖN-Redaktion (Bildschirmfoto: https://gather.town/app/)

Nach kurzer Besichtigung des Online-Landtages erwartet die Berufsschüler eine Fragerunde zum Aufwärmen. Mithilfe der “Kahoot”-App können die Klassenkameraden ihre Kenntnisse über die demokratische Grundordnung Österreichs miteinander messen. Nach dem Klassenwettbewerb stellen die Berufsschüler ihre Vorschläge für neue Gesetze vor. Verstärkte Rechte zum Schutz der LGBTQ+ Community oder Gesetze zur Gewährleistung der Geschlechtergleichbehandlung, waren zum Beispiel Themen den sich die zweite Klasse der Landesberufsschule Waldegg widmete, die die NÖN beim virtuellen Landtag begleitete. Pädagogin Silvia Dorner erklärt, dass es für sie nicht überraschend sei, dass Themen wie die rechtliche Situation der Homosexuellen behandelt wurden. “Gerade für Menschen mit gleichgeschlechtlicher Orientierung empfinden unsere Schüler am meisten Verständnis”, erzählt Dorner der NÖN. Während der Veranstaltung erörterten die zukünftigen Köche der zweiten Klasse der Waldegger Berufsschule auch das Thema Maskenpflicht und ihre potentiellen Auswirkungen auf die Bürger.

Kahoot!-Quiz mit Fragen zum Thema Demokratie
Usercontent, NÖN-Redaktion (Bildschirmfoto: https://gather.town/app/)

Dann sind die Berufsschüler gefordert, eigene Parteien zu gründen und innerhalb dieser ihre Anträge auf neue Gesetzgebungen im Plenum vorzustellen. Die Parteien müssen sich miteinander demokratisch abstimmen, welchem Antrag sie zustimmen wollen. Nur ein Gesetz, für das sich die Mehrheit ausspricht wird tatsächlich „verabschiedet“.

Das virtuelle Ebenbild des NÖ-Landtages erstellte Christoph Gravogl gemeinsam mit Thomas Trümmel. “Es lässt sich nicht genau beantworten, wie viele Stunden wir damit verbracht haben, aber viele. Der Raum wurde im Programm Gather.town erstellt”, erzählt er der NÖN. Er erklärt weitere Funktionen des Online-Raumes: “Mithilfe der Pfeiltasten kann man seine Figur innerhalb des Online-Gebäudes bewegen. Die Kommunikation zwischen den Teilnehmern ist nur dann möglich, wenn sich ihre Figuren in der Nähe befinden. Wenn sich die Figuren zu weit weg voneinander entfernen, ist die Videoübertragung von diesen zwei Usern nicht mehr möglich”.

„Gerade jetzt, wenn uns die Covid-19-Pandemie vor Herausforderungen stellt, ist es wichtig, dass wir das Demokratieverständnis unserer Berufsschüler stärken. Mit dem neuen Tool, das unsere beiden Coaches Christoph Gravogl und Thomas Trümmel adaptiert haben, gelingt es dennoch, den Schülern demokratische Prozesse näher zu bringen.“, stellt NÖ-Landtagspräsident Karl Wilfing fest.

Gefallen hat das virtuelle Konzept auch den Schülern. Armin Werth, Schüler der zweiten Klasse der Berufsschule Waldegg sagt zur NÖN: “Der Berufschullandtag wurde bei uns in der Klasse sehr positiv empfunden. Es ist eine interaktive Abwechslung während des Online-Unterrichts mit der wir unsere Kenntnisse der Sozialkunde vertiefen bzw. erweitern können.”