Studieren in Jogginghose

Mehr als ein Jahr müssen sich Studierende mittlerweile aufgrund der Corona-Pandemie mit Online-Unterricht auseinandersetzen. Einblicke über Vor- und welche Nachteile der Fernlehre geben zwei Studierende der Fachhochschule St.Pölten sowie Studien zur Online-Lehre während der Pandemie.

Erstellt am 15. Januar 2022 | 02:18
Lesezeit: 4 Min
Distance-Learning im Hotel
Durch den Online-Unterricht kann man seine Vorlesung sogar flexibel mit in den Urlaub aufs Hotelzimmer nehmen.
Foto: Julia Gstettner

Die Corona-Pandemie hat unser aller Leben auf den Kopf gestellt – so auch das Leben der Studierenden. Aufgrund der Pandemie wurde das Studieren vor Ort an Österreichs Universitäten und Fachhochschulen im März 2020 vom Vorlesungssaal in die eigenen vier Wände umgestellt. Welche Vor- und welche Nachteile diese Umstellung auf Online-Unterricht hat, erklären Studentinnen der Fachhochschule St.Pölten.

Die Fakultät für Psychologie der Universität Wien nahm das Distance-Learning der Studierenden in Österreich in der Studie „Lernen unter COVID-19“ genauer unter die Lupe. Dabei wurden rund 1.700 Studierenden zu unterschiedlichen Zeitpunkten befragt. Das Fazit: Studierende kommen eineinhalb Jahre nach Start des Online-Unterrichts gut damit zurecht. Je höher die Lernmotivation ist. Für die Lernorganisation und das Wohlbefinden sind die Bedürfnisse des Kompetenzerleben, sozialer Eingebundenheit und Autonomie sehr wichtig, dem die befragten Studierenden Petra Fuchs und Lisa Figerl von der Fachhochschule St.Pölten ebenfalls zustimmen.

Flexibel in Jogginghose

„Die flexible Zeiteinteilung und die daraus resultierende Zeitersparnis sind für mich ein großer Vorteil des Online-Unterrichts“, erklärt Studentin Petra Fuchs. Auch Figerl bestätigt den Vorteil der Flexibilität und findet es angenehm, den Unterricht auch mal im Pyjama oder in der Jogginghose zu verfolgen. Die Studie Digitale Lehre in Zeiten von Covid-19: Risiken und Chancen untersuchte ebenfalls die Vor- und Nachteile der Fernlehre während der Pandemie. Dabei bestätigen die Ergebnisse der Studie die Meinungen der Studentinnen: Flexibilität, die Vorteile von Videoformaten und die Zeitersparnis aufgrund der Fahrzeit stehen an der Spitze der Vorteile des Homeoffice.

So ist es vielen StudentInnen auch möglich ihren Unterricht wo anders als im eigenen Zimmer oder im Hörsaal zu verfolgen. Viele Studenten und Studentinnen treffen sich auch während des Distance-Learnings und verfolgen den Unterricht gemeinsam oder nehmen ihren Unterricht sogar mit in den Urlaub. Ein weiterer Vorteil, der ebenfalls aus der Studie herausgeht und dem auch die befragten Studentinnen zustimmen, ist es, dass Online-Unterricht das Lernen im eigenen Tempo erlaubt, ohne Selbstdisziplin und Motivation kommt man aber rasch an seine Grenzen.

Fehlender Diskurs und wenig Interaktion

Ein Studium beziehungsweise das Lehren lebt allerdings vom Austausch und Diskurs sowohl mit anderen Studierenden als auch mit Lehrenden. So sind Nachteile, die auch in der Studie „Digitale Lehre in Zeiten von Covid19: Risiken und Chancen" genannt werden das Isolierte Lernen und die psychischen Belastungen der Studierenden. Diese Belastungen entstehen aufgrund fehlender Interaktion und Selbstmotivation.

Das gemeinsame Arbeiten und der persönliche Kontakt fehlt den Studierenden dabei am meisten: „Man erlebt den gesamten Studienflair nicht und hockt stattdessen allein in seinem Zimmer ohne die Chance mit anderen zu connecten“, so Fuchs. Andere Nachteile, die auch aufgrund von Corona entstehen sind die Qualität der Lehre, die unter dem digitalen Transfer leidet, sowie ein besonders großer Workload, der sich aufgrund der Digitalisierung durch Corona entwickelt hat.

Auch Fuchs und Figerl können sich den Ergebnissen der Studie anschließen: „Die Konzentration nimmt bei Online-Unterricht massiv ab, andauernd treten Internetprobleme auf und man wird schnell von anderen Dingen abgelenkt.“ Aus Erfahrung wissen die beiden Studentinnen, dass es oft schwerfällt, im Online-Unterricht zu interagieren oder Fragen zu stellen, da ihnen die Kommunikation über Online-Tools teilweise befremdlich ist.

Ausblick auf die kommenden Semester

Die Frage, wie das Lernen in Zukunft stattfinden wird und wann Studierende wieder in die Normalität der Präsenzlehre zurück kehren lässt sich mit heutigem Stand noch nicht beantworten. Laut der Studie „Lernen unter COVID-19“ sind etwa ein Viertel der Studierenden dafür, dass die Online-Lehre weiterhin fortgeführt wird, ebenso viele wünschen sich aber kein Distance-Learning mehr. Etwas weniger als die Hälfte bevorzugt die Möglichkeit der hybriden Lehrform.

Obwohl der Online-Unterricht einige Vorteile wie Flexibilität und Zeitersparnis bringt, sind die Nachteile, die mit psychischer Belastung der Studierenden einhergehen nicht außer Acht zu lassen. Auch die beiden befragten StudentInnen freuen sich endlich wieder auf einen normalen Studienalltag, mit Unterricht vor Ort, viel Diskurs und Freude am gemeinsamen Lernen oder dem ein oder anderen Feierabendbier.

Dieser Beitrag wurde in einer Lehrveranstaltung im Zuge einer Kooperation mit dem Bachelor-Studiengang Medienmanagement an der FH-St. Pölten erstellt.