Coding-Schule will Tech-Elite für NÖ ausbilden

Erstellt am 10. Juni 2022 | 05:43
Lesezeit: 3 Min
440_0008_8376862_noe23_42ecole_cwilliambeaucardet.jpg
Die Stadtgemeinde Amstetten holte gemeinsam mit Firmenpartnern und der IV-NÖ eine renommierte Programmierschmiede nach Österreich.
Foto: 42; William Beaucardet
Ohne Klassen, Lehrer und Gebühren sollen Über-18-Jährige an der „42 Vienna“ ab Herbst spielerisch Programmieren lernen. Auch in Amstetten ist ein Campus geplant.
Werbung
Anzeige

30.000 IT-Fachkräfte fehlen in den nächsten fünf Jahren am Markt, prognostiziert der Fachverband UBIT. Allein in Niederösterreich suchen Betriebe rund 2.500 Programmierer und Tech-Profis, größtenteils vergeblich.

Nicht besetzbare Posten kosten aber Unternehmen Umsatz, bremsen Innovationskraft und digitale Transformation und gefährden letztendlich den Wirtschaftsstandort.

Gleichzeitig Lernender und Lehrender

Eine Linderung des Fachkräftemangels verspricht sich die Wirtschaft und Politik vom ersten Österreich-Ableger der internationalen Programmierschule „Ècole 42“: die „42 Vienna“-Schule mit Campus in Wien und Amstetten. Ohne Frontalunterricht, Schulgebühren, Lehrende oder Studienprogramm sollen in der unkonventionellen Schule 18plus-Jährige ohne IT-Vorkenntnisse das Programmier-Handwerk auf höchstem Niveau erlernen.

„Die Anwärterinnen und Anwärter beginnen vom ersten Tag weg Aufgaben mithilfe von Coding zu lösen. Die sind alleine nicht zu schaffen. Die Teilnehmer werden so motiviert, Teams zu bilden und gemeinsam an Lösungen zu arbeiten“, sagt Rosemarie Pichler, Geschäftsführerin von „42 Vienna“ und des Firmennetzwerks „Net For Future“, das den Aufbau der Campus-Standorte begleitet.

440_0008_8379117_noe23_rosemarie_pichler_cnetforfuture.jpg
Rosemarie Pichler, Geschäftsführerin von „42 Vienna“.
Foto: NOEN

Spielerisches, projektbasiertes Arbeiten in Teams und gegenseitiges Bewerten sind pädagogisches Herzstück der Coder-Schmiede. Das erfahren die Aspiranten bereits im Auswahlprozess im vierwöchigen Intensivtraining namens Piscine, französisch für Schwimmbad. Bei diesem „Sprung ins kalte Wasser“ werden sie auch auf ihre Ausdauer, Hilfsbereitschaft, Führungsqualität und Frustrationsbewältigung getestet. Nach bestandener Eingangsphase erwartet die künftigen IT-Profis ein 12-monatiges Grundstudium samt zwei Unternehmenspraktika und anschließender Spezialisierung in etwa Künstliche Intelligenz, App Programmierung oder IT-Security.

Amstetten und Industrie als „Geburtshelfer“

Als „Hebammen“ für den Österreich-Schulableger fungierte die Stadtgemeinde Amstetten mit dem Mostviertler Firmennetzwerk „Net for Future“. Es gehe darum, dass Amstettnerinnen und Amstettner nicht nach Linz und Wien auspendeln müssen, erklärt Bürgermeister Christian Haberhauer, sondern in Amstetten hochwertige, gut bezahlte Jobs und gleichzeitig leistbaren und qualitativ hochwertigen Wohnraum finden. „Das ist unser Ziel.“

Weitere Mitbegründer und potenzielle Arbeitgeber sind Mostviertler Industriebetriebe wie die Umdasch Group, Welser Profile, Magna, Lisec oder Worthington. Aber auch die RLB NÖ-Wien und Industriellenvereinigung Niederösterreich unterstützen. „Wir bewerben das Angebot auch bei unseren Mitgliedsbetrieben, die natürlich froh sind für jede neue Chance, um Fachkräfte mit fundierten Programmierkenntnissen zu finden“, sagt Michaela Roither, Geschäftsführerin der IV-NÖ.

Mit rund 30.000 Alumni und 15.000 Studierenden zähle das „Ècole 42“-Schulnetzwerk mittlerweile zu den zehn besten Ausbildungen für Softwareentwicklung auf Masterniveau weltweit, so Pichler. Qualität und Ruf der Ausbildung scheinen stimmig, denn viele werden während der Ausbildung von Unternehmen wie Google oder Microsoft „abgefischt“.

Weiterlesen nach der Werbung