Nachhaltig Bauen will gelernt sein. Vor 100 Jahren wurde der symbolische Grundstein für die HTL Mödling mit Hoch- und Tiefbau gelegt. Vor 30 Jahren entstand die Abteilung Umwelttechnik. Sie ist bis heute österreichweit einzigartig, wenn es ums Bauen geht.

Von Bettina Kreuter. Erstellt am 19. Oktober 2019 (02:34)
HTL Mödling Umwelttechnik
Dank Denis Kaltenecker, Wiktoria Chrol, Abteilungsvorständin Angelika Stark, Gabriel Lukic und Sebastia Rajabi ist die HTL Mödling heute mit dem Umweltzeichen zertifiziert.

Abteilungsvorständin Angelika Stark zählte zu den ersten Schülerinnen der in den 1980er-Jahren neu geschaffenen Umwelttechnik. Somit weiß sie, wie sich aktuelle Bedingungen auf das Lehren und Lernen auswirken.

„Durch den Klimawandel gibt es einen immensen Einfluss auf den Unterricht, speziell in unserer Abteilung. Die Lehrpläne wurden angepasst und die Lehrer versuchen, alle Fachbereiche eng mit der Klimathematik zu vernetzen. In der Planung im Bausektor hat das digitale Zeitalter mit der BIM-Methode (Building Information Modeling) zu einer kompletten Adaptierung des Unterrichts geführt.“

Bauen ist heute nachhaltiger geworden. Im Gegensatz zu früher muss das Bauwesen den gesamten Nachhaltigkeitskreislauf, von der Baustoffherstellung über die Nutzungsphase bis zur Entsorgung des Gebäudes, abdecken. Es wird nicht mehr das einzelne Gebäude alleine gesehen, sondern global in seinem Zusammenspiel mit einer Siedlung oder einer ganzen Stadt.

Fächerübergreifend und vielseitig

Genau bei diesem fächerübergreifenden Ansatz mit einer vielfältigen Ausbildung setzt die Bautechnik-Abteilung an: „Ein gutes Beispiel ist unsere nachhaltige, grüne Siedlung, welche von mehreren Klassen über mehrere Schuljahre hinweg geplant und am Ende der Ausbildung präsentiert wird“, informiert Stark.

Schwerpunkte dabei sind die Verwendung nachwachsender und recycelbarer Rohstoffe, die Planung im Passivhausstandard, Aufstellung von Plusenergiekonzepten oder eine menschen- und damit klimagerechte Mobilitätsplanung.

Die Umwelttechniker von morgen, der Mädchenanteil liegt bei einem Viertel, eignen sich ihr Wissen dank erfolgreicher Zusammenarbeiten mit Gemeinden, Büros im Bautechnik-, Wasserbau- und Haustechniksektor und anderer Projektpartner nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch an.

Wie gut das funktioniert, zeigt die Kooperation mit der Stadtgemeinde Baden: In der Kategorie „Sonderpreis Sustainability“ erhielten Patrick Dorn, Luca Henninger, Gabriel Pelikan und Jakob Ziegelbauer aus der Abteilung Umwelttechnik den ersten Preis für ihr Projekt „Smart Street – Nachhaltige Umgestaltung des Kaiser-Franz-Josef-Ringes in Baden“. Mit einem eigens entworfenen Klassifizierungssystem nach der Building Information Modeling (BIM) überzeugten sie mit einer nachhaltigeren, verkehrsberuhigten und begrünten Badener Innenstadt.

In Mödling gibt es ein anderes Projekt zur Regulation städtischer Wärmeinseln durch bauliche Adaptierungen und Nutzung von Niederschlagswässern.

Sonderpreise und ein Umweltengel

Dass die HTL Mödling nun das Umweltzeichen trägt, ist ebenfalls Maturanten der Umwelttechnik zu verdanken. Denis Kaltenecker, Gabriel Lukic, Sebastian Rajabi und Wiktoria Chrol prüften unter der Leitung von Angelika Stark, ob es möglich ist, eine Schule mit 4.000 Schülern zertifizieren zu lassen.

In den Muss-Kategorien Umweltmanagement, Umweltpädagogik, Außenraumgestaltung, Energienutzung und Einsparung sowie in den Soll-Kriterien Verkehr und Mobilität, Ernährung, Wasser wie auch Abfall und Beschaffung wurden die wesentlichen Faktoren analysiert und dokumentiert.

Das Erfreuliche: Ein 25-köpfiges Umweltmanagementteam, das aus Schülerinnen und Schülern und Bediensteten der HTL Mödling besteht, kümmert sich auch in Zukunft mittels Info-Campaigning um eine nachhaltige Aufrechterhaltung der Umweltziele in allen Abteilungen.