Lernsieg-App wieder online. Die Lehrer- und Schulbewertungs-App des Klosterneuburgers Benjamin Hadrigan steht nach Wochen zum Download bereit. Der 18-jährige wollte die Initiative rechtlich, wirtschaftlich und strategisch besser aufstellen.

Von Maria Prchal. Erstellt am 24. Februar 2020 (12:28)
Lehrerbewertungs-App "Lernsieg"-Gründer Benjamin Hadrigan 
APA/HERBERT NEUBAUER

Als Mitte November 2019 die Lehrerbewertungs-App "Lernsieg" startete, gingen Gewerkschaft und Datenschützer gleichermaßen auf die Barrikaden. Nach nur 72 Stunden nahm sie der Klosterneuburger Benjamin Hadrigan vom Netz - jetzt ist sie wieder online.

"Die App war immer schon legal und geht jetzt so wieder on, wie sie off gegangen ist", erzählt der 18-Jährige bei einer Pressekonferenz. Die Datenschutzbehörde hat grünes Licht gegeben, mit neuen Investoren steht die App nun wieder zum Download bereit. 

Moderator Samuel Koch, Lernsieg-Erfinder Benjamin Hadrigan und Investorin Carmen Schnedl verkündeten den Neustart der App.
Prchal

90.000 Datensätze von Lehrern und Schülern hat der Jungunternehmer gespeichert, diese werden vertraulich und sensibel behandelt, verspricht Hadrigan.

Einladung an Lehrergewerkschaft

Nur "über die Medien" sei ihm Kritik ausgerichtet worden, deswegen sucht er jetzt aktiv das Gespräch mit Unterrichtsminister Heinz Faßmann und Paul Kimberger, dem Vorsitzenden der ARGE-Lehrer in der Gewerkschaft öffentlicher Dienst. Noch kam keine Rückmeldung auf seine Einladung. 

Denn der Klosterneuburger sei sich durchaus der Verantwortung bewusst, die er für Lehrer und Schüler trägt.

So wie seine Investoren sieht er jedoch Transparenz als ersten Schritt zur Qualitätssicherung. Hauptinvestor ist jetzt der Salzburger Christian Dreyer, er hält acht Prozent am Unternehmen. Ebenso unterstützt die Jungunternehmerin Carmen Schnedl von "Empire Invest". Über Investitionssummen wollen sie nicht reden. 

Gewinn durch Werbung

Schnedl: "Uns ist Lernssieg aufgefallen als App, die frischen Wind in den Leistungsgedanken ins Bildungssystem bringen kann." Es sei trotzdem eine Investition und kein Sponsoring: " Sollte die App irgendwann auch wirtschaftlich erfolgreich sein, wird uns das nicht stören, aber wir legen es nicht darauf an."

Geld abwerfen soll die App durch Werbeeinschaltungen, sagt Hadrigan. Ein heikles Thema bei einer Zielgruppe von 11- bis 18-Jährigen. Doch der Schüler und Student beruhigt: Ein Schülergremium entscheidet, was geschalten wird und was nicht. "Mc Donalds klar nein, Pagro und Libro ja. Eine Schultasche oder ein Federpenal werden jetzt niemanden verstören." 

Eine Altersgrenze gibt es deswegen nicht.

Ein Stern für nicht genügende Lehrer

So funktioniert die Bewertungs-App: Ein Schüler lädt sie auf sein Smartphone und muss sich mit seiner Handynummer verifizieren. Jeder Nutzer soll so nur seine Schule und die dortigen Lehrer bewerten können. 

In der App findet er Name und akademischen Titel der Lehrer. Einen bis fünf Sterne kann der Schüler dann für Unterricht, Respekt, Geduld, Erklärungsstil, Persönlichkeit, Fairness, Motivation und Organisation abgeben.

Die Einschätzungen werden anonym und erst ab fünf Bewertungen angezeigt.

Auch das Schulgebäude kann bewertet werden. Lernräume/Bibliothek, Kantine/Mensa, Sportanlagen, Neue Medien, Klassenzimmer, Veranstaltungen und Betreuung zählen zu den Kriterien. 

Kommentarfunktion angedacht

Derweil können weder Schüler noch Lehrer Inhalte kommentieren. Doch Hadrigan schließt nicht aus, dass diese Funktion noch kommen wird. Generell sind noch einige Änderungen geplant: "Jetzt sind wir ein Start-up, aber wir wollen uns weiterentwickeln."

Datensätze nicht vollständig

Alle Lehrerdaten wurden manuell über die Schul-Webseiten erhoben. Das hier Fehler enthalten sein können, räumt der Klosterneuburger ein. Deswegen kann jeder Schüler Schulen und Lehrer hinzufügen und Lehrer können Änderungen ihrer Daten beantragen.

Jetzt sind außerdem nur Neue Mittelschulen, AHS-Unter- sowie Oberstufen und BHS-Oberstufen eingespeist. Aber etwa auch Berufsschulen könnten Nutzer hinzufügen.