"Nachzipf? Ich schaff das!" geht in die zweite Runde. Gratis Lernhilfe der SPÖ geht weiter, diesmal von Gemeinden getragen.

Von Redaktion noen.at. Erstellt am 18. Juni 2019 (15:23)
Anton Heinzl
GVV-Präsident Bürgermeister Rupert Dworak und Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig.
 

„Unser Erfolgsprojekt findet seine Fortsetzung und wächst an Standorten“, zeigt sich die stellvertretende SPNÖ-Landesparteivorsitzende, Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig, stolz: „Wenn man weiß – das AK-Nachhilfemonitoring für NÖ zeigt dies jedes Jahr aufs Neue - dass mehr als ein Viertel der niederösterreichischen Schulkinder im Schuljahr 2018/2019 beziehungsweise im Sommer 2018 Nachhilfe in Anspruch nehmen musste, besteht akuter Handlungsbedarf."

Dieser Umstand betreffe bereits zirka 50.000 Schüler und Schülerinnen, allein in Niederösterreich. Besonders die Tatsache, dass bereits 13 Prozent der Volksschüler Nachhilfe brauchen und die Nachfrage zudem steigt, sei erschreckend. Pro Nachhilfeschüler ergibt sich ein Betrag von im Schnitt 570 Euro im Jahr. Das sei oft ein beträchtlicher Teil des Einkommens der Eltern. Königsberger-Ludwig: "Hier hat die Politik im Sinne des leistbaren Lebens für die Bürger und Bürgerinnen eine hohe Verantwortung und ist gefordert danach zu handeln.“

Finanzieller Druck sei hoch

Nach dem Pilotprojektstart im Vorjahr wird das Projekt heuer von den Gemeinden getragen und weitergeführt. An den Standorten Ternitz, Sollenau, Ebreichsdorf, St. Valentin, Amstetten, Hollenstein, Ybbs, Pottendorf, Spillern und Lichtenwörth wird im August wieder die Möglichkeit geschaffen, kostenlose Nachhilfe in Anspruch nehmen zu können.

„Die Politik ist gewählt, um für die Menschen im Land positive und die Geldbörse entlastende Maßnahmen zu schaffen“, meint der Präsident des NÖ GVV Bürgermeister Rupert Dworak, der selbst in seiner Gemeinde ein Verfechter des Projektes ist: „Keine Sprechstunde vergeht, in der mir nicht Familien gegenübersitzen, die über den permanenten finanziellen Druck, der auf ihnen lastet, klagen. Steigende Wohnkosten, Mehrbelastungen fürs Pendeln zum Arbeitsplatz, aber auch die Bildungsausgaben für die Kleinsten sind oft Inhalt meiner Gespräche mit den Bürgern und Bürgerinnen.“

Mehr Nachhilfeschüler 

Dem AK-Nachhilfemonitoring zufolge sind die Zahlen jener, die Nachhilfe in Anspruch nehmen mussten im Vergleichszeitraum des Vorjahres noch einmal um drei Prozent gestiegen. Eltern von ca. 33.500 SchülerInnen mussten die Nachhilfe bezahlen, weitere 11.000 SchülerInnen erhielten unbezahlte Nachhilfe von Verwandten, Freunde, etc. und etwa 5.500 SchülerInnen hatten schulische Nachhilfe.

Weitere 10.000 Schüler und Schülerinnen hätten Nachhilfe gebraucht – diese war aber für deren Eltern nicht leistbar. In Niederösterreich fallen für externe Nachhilfe Kosten in der Höhe von etwa 19,4 Millionen Euro pro Jahr (+ 3 Mio. zum Vorjahr) an.

Anton Heinzl
GVV-Präsident Bürgermeister Rupert Dworak und Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig.<br /> 

„‘Nachzipf? Ich schaff das!‘ hat großes Interesse geweckt! Die Problematik teurer Nachhilfe ist mittlerweile allgegenwärtig“, zeigt sich Dworak hoch erfreut über die wachsende Anzahl der Gemeinden, in denen das Projekt heuer stattfinden wird.

In Niederösterreich gebe es noch zu wenig Nachmittagsbetreuung- und Ganztagsschulangebote, wodurch die Lernunterstützung maßgeblich vom Einsatz der Eltern abhängt, weiß Dworak. Eltern wünschen sich mehr kostenlose Nachhilfeangebote an den Schulen, eine Ausweitung der schulischen Nachmittagsbetreuung mit individueller Förderung, generell mehr Förderunterricht an den Schulen und den Ausbau verschränkter Ganztagsschulen.

Die Studie belegt diesen sinnvollen Wunsch, denn sie zeigt, dass die Anzahl der SchülerInnen, die eine Ganztagsschule besuchen und Nachhilfe bekommen, mit 8 Prozent deutlich unter dem Gesamtschnitt liegt.

 „Entweder für Nachhilfe zahlen oder den Schulerfolg der Kinder riskieren ist wohl keine sonderlich erquickliche Perspektive für die Familien, die unter hohem finanziellen Druck stehen. Einen Nachzipf zu haben ist im Prinzip nichts Schlimmes wird aber zur Katastrophe, wenn zur emotional angespannten Situation noch die finanzielle Komponente kommt“, möchte Dworak dazu beitragen, das Potenzial an kompetenten Facharbeitskräften für die Zukunft zu stärken und die Kinder und Jugendlichen nicht im Regen stehen zu lassen.

Die Anmeldeformulare liegen auf den teilnehmenden Gemeinden in Kürze auf. Diese erheben auch den Bedarf in den Schulen – in den angebotenen Gegenständen Mathematik, Englisch und Deutsch.

Für die Folgejahre werden sich die Gemeinden und die SPÖ NÖ bemühen, auch die ÖVP davon zu überzeugen, die Gratisnachhilfe miteinander landesweit einzurichten, zeigen sich Königsberger-Ludwig und Dworak optimistisch: „Wir haben die Verantwortung, den Familien in diesem Bereich unter die Arme zu greifen. Deshalb wollen wir mit dem zweiten Piloten die aussagekräftigen Zahlen aus dem Vorjahr nochmals bestätigen, damit in den nächsten Budgetverhandlungen Gespräche mit der ÖVP Niederösterreich auf Basis valider Daten über eine flächendeckende Ausrollung des Projekts auf ganz Niederösterreich geführt werden können.“