Verkehrsstatistik: 99 starben auf Straßen. Ablenkung bleibt die Unfallursache Nummer eins im Land. Keine schweren Unfälle in 140er-Zone auf der Westautobahn.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 08. Januar 2019 (02:39)
NÖN
In Nöchling (Bezirk Melk) wurde im September des Vorjahres ein junges Paar am Nachhauseweg von einer Veranstaltung niedergefahren. Die Frau kam zu Tode, ihr Begleiter wurde schwer verletzt. Der Unfalllenker, ein Verwandter des Mannes, beging daraufhin Selbstmord.

400 Menschen verunglückten im Vorjahr auf Österreichs Straßen tödlich. „Ein Rekordtief“, verkündeten Innenminister Herbert Kickl und Verkehrsminister Norbert Hofer mit der Präsentation der Verkehrsstatistik für 2018. Denn mit einem Minus von 3,4 Prozent zu 2017 wurde die niedrigste Zahl an Verkehrstoten seit Beginn der Aufzeichnungen des Innenministeriums 1950 verzeichnet.

Dennoch: In Niederösterreich mussten bei einer Steigerung von sechs Toten zu 2017 immerhin 99 Menschen im Straßenverkehr ihr Leben lassen. Die Zunahme, die noch immer der zweitniedrigste Wert ist, sieht der Leiter der Landesverkehrsabteilung der niederösterreichischen Polizei, Ferdinand Zuser, „bei aller Tragik jedes Verkehrstoten“, wie er betont, „ als statistische Schwankungsbreite“.

"Ein unfallfreies Fahren ist ein ambitioniertes Ziel"

Neue Fahrzeugtechnik, Straßenbaumaßnahmen, eine verbesserte Sanitätsversorgung und Überwachungsmaßnahmen der Exekutive seien alles „Parameter, die zur Senkung der Unfallzahlen beitragen“, doch müsse man realistisch bleiben. „Ein unfallfreies Fahren ist ein ambitioniertes Ziel, aber kaum realisierbar“, meint er. Hauptunfallursache des ersten Halbjahres 2018 (Gesamtdaten liegen noch nicht vor) ist in Niederösterreich die Ablenkung, gefolgt von der Vorrangverletzung. Dahinter rangiert nicht angepasste Fahrgeschwindigkeit vor mangelndem Abstand und Alkohol am Steuer.

Bislang keine tragischen Unfälle gab es auf der Tempo-140-Zone auf der Westautobahn zwischen Melk und Amstetten. „Der Großteil der Lenker ist nicht schneller gefahren“, stellt Zuser fest. In Niederösterreich stehen acht Unfalltote auf Autobahnen 42 Toten auf Bundesstraßen und 34 auf Landesstraßen gegenüber. 13 Tote gab es auf Gemeindestraßen und „nur“ zwei Verkehrstote auf Schnellstraßen.

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