43 Bäuerinnen bei Busunfall verletzt: Lenkerin vor Gericht. Nach dem Busunfall mit 43 verletzten Bäuerinnen im Bezirk Melk im Juni vergangenen Jahres hat sich am Dienstag die Lenkerin des Fahrzeugs am Landesgericht St. Pölten verantworten müssen.

Erstellt am 06. März 2012 (11:13)
Die 39-Jährige wurde von der Staatsanwaltschaft wegen fahrlässiger Gemeingefährdung angeklagt. Vor Einzelrichter Helmut Weichhart bekannte sie sich nicht schuldig. Die Bremsen hätten plötzlich versagt.
 
Der Unfall ereignete sich am 8. Juni auf der B36 in Würnsdorf bei Pöggstall. Nach einer Talfahrt durchschlug das Fahrzeug bei einer rechtwinkeligen Kreuzung geradeaus eine Leitschiene und stürzte über eine bis zu 20 Meter abfallende Böschung, dann kam es auf der Seite zu liegen. "Durch unsachgemäße Handhabung der Bremsanlage" habe die Frau eine "fahrlässige Gefährdung für Leib und Leben verursacht", so Staatsanwalt Karl Wurzer. 16 Insassinnen wurden schwer, 27 leicht verletzt.
 
Bei der Einvernahme blieb die Frau bei ihrer bisherigen Verantwortung. Die Bremsen, sowohl die Fußbremse als auch die Retarderbremse beim Lenkrad, hätten zunächst tadellos funktioniert und seien dann plötzlich ausgefallen: "Ich bin reingestiegen und hab geglaubt, ich bin in einem Film, da war kein Widerstand", beteuerte die 39-Jährige. Sie sei bei der Fahrt den Berg hinunter - eine Strecke, die sie in den Wochen zuvor bereits mehrfach befahren hatte - zwei- oder dreimal in scharfen Kurven auf die Fußbremse gestiegen, die restliche Zeit habe sie die Retarderbremse verwendet. "Es hat nix gestunken, nix geraucht", meinte sie, eine nachlassende Funktion der Bremsen habe sie nicht bemerkt. "Das ist technisch nicht nachvollziehbar, was sie sagen", entgegnete der Richter. Wäre ihr aufgefallen, dass etwas nicht stimmt, wäre sie stehen geblieben, "gerade bei den Bremsen", betonte die Frau.
 
Die Sachverständigen widersprachen der Frau. Es gebe verschiedene Möglichkeiten, die zum Versagen der Bremsen geführt haben könnten. "Ein momentaner Ausfall ist praktisch nicht möglich", hieß es aber. Die Bremsen könnten heiß gelaufen und dadurch funktionsuntüchtig geworden sein. Es sei aber auch generell zu wenig Öl vorhanden gewesen, wodurch die Wirkung der Retarderbremse schleichend nachlasse, das müsse auch der Lenker bemerken. Die Angeklagte blieb dabei: "Mir ist nix aufgefallen", versicherte sie immer wieder. So oder so - bei richtiger Handhabung wäre der Unfall auch beim Ausfall eines der Systeme vermeidbar gewesen, wenn der Lenkerin die Probleme rechtzeitig aufgefallen wären, so die Sachverständigen.