Kriminalstatistik 2016: Hauchdünner Anstieg in NÖ. Mit 76.079 angezeigten Fällen weist die Kriminalstatistik 2016 für Niederösterreich einen kleinen Anstieg um 0,4 Prozent auf.

Von Eva Hinterer. Erstellt am 06. März 2017 (12:30)
LPD NÖ
Landespolizeidirektor Franz Prucher (M.) mit seinen Stellvertretern Rudolf Slamanig (li.) und Franz Popp.

„Ein sehr gutes Ergebnis“ nennt Landespolizeidirektor Franz Prucher die Werte des Jahres 2016. Von 75.773 im Jahr 2015 auf 76.079 angezeigte Fälle im Jahr 2016 sind die Zahlen nur leicht  gestiegen. Wichtiger noch: alle großen Straftaten wie Morde konnten geklärt werden, auch die Aufklärungsrate ist gestiegen.

Im Bundesländervergleich liegt Niederösterreich damit sehr gut, die plus 0,4 Prozent sind der zweitbeste Wert, nur in Kärnten sind die angezeigten Fälle um 0,7 Prozent zurückgegangen. Für Gesamtösterreich weist die Statistik einen Anstieg um 3,8 Prozent (537.792 angezeigte Fälle) auf.

Erfreulich ist die Aufklärungsrate in NÖ: 35.897 Fälle konnten geklärt werden, das sind um 12,8 Prozent mehr als 2015 (da waren es 31.815 geklärte Fälle). In Prozenten ausgedrückt ist das ein Anstieg von 42 Prozent im Jahr 2015 auf 47,2 Prozent geklärter Fälle 2016.

Die Rückgange im Jahr 2016

Im Bereich der Wohnungs- bzw. Wohnhaus-Einbruchsdiebstähle ist ein Rückgang von 9,2 Prozent zu verbuchen: Gab es 2015 noch 2.807 Einbruchsdiebstähle, so waren es im Vorjahr 2.549. Ebenfalls gesunken sind die Firmen- bzw. Geschäftseinbruchsdiebstähle: Von 1.994 auf 1.927, das sind minus 3,4 Prozent.

Ein starker Rückgang ist bei den Kfz-Diebstählen zu bemerken: Ein Minus von 12,2 Prozent, in absoluten Zahlen von 663 im Jahr 2015 auf 582 im Vorjahr. Hier schlägt sich vor allem die enge Zusammenarbeit mit den Polizeibehörden der Nachbarländer positiv nieder. In Sachen Raub liegt der Rückgang bei 3,7 Prozent – von 191 Straftaten auf 184.

Anstieg bei Cybercrime, sexueller Belästigung und Kellereinbrüchen

Aber es gibt auch Deliktsgruppen, in denen ein starker Anstieg zu verzeichnen ist. Cybercrime zum Beispiel, hier waren 2016 2.292 angezeigte Straftaten zu verzeichnen, das ist gegenüber dem Jahr 2015 ein Anstieg um 37,5 Prozent. Anzumerken ist, dass es sich primär nicht um Delikte im hochprofessionellen Bereich handelt, sondern um Straftaten wie Bestellbetrug im Internet und dergleichen.

Um 59,5 Prozent sind Anzeigen nach §218 Strafgesetzbuch „sexuelle Belästigung und öffentliche geschlechtliche Handlungen“ gestiegen: das sind in absoluten Zahlen 268 Anzeigen im Vorjahr – 2015 waren es genau hundert weniger gewesen. In diesem Kontext gab es im Vorjahr 131 Vergewaltigungs-Anzeigen, um sechs mehr als noch 2015 (+4,8 Prozent). Die angezeigten Körperverletzungen sind um 9,8 Prozent von 4.107 im Jahr 2015 auf 4.509 gestiegen.

Den drittstärksten Anstieg nach den Cybercrime-Delikten und der sexuellen Belästigung verzeichnet die nö Polizei bei den Einbruchsdiebstählen in Kellerabteile: Hier weist die Statistik 2016 ein Plus von 40,7 Prozent aus – von 778 auf 1.095 Anzeigen. Parallel dazu sind auch die Fahrraddiebstähle gestiegen – Fahrräder werden meist aus Kellern entwendet – und zwar um 18,7 Prozent von 4.107 auf 4.872 Fälle.

Mehr Betrügereien

Zugenommen haben im Vorjahr die Betrugshandlungen: von 4.915 auf 5.698 angezeigte Fälle, das sind plus 15,9 Prozent.

Was die Tatverdächtigen betrifft, so waren darunter im Vorjahr 67 Prozent Österreicher (oder 27.035) und 33 Prozent Fremde (13.477). 2015 lag der Anteil der tatverdächtigen Österreicher bei 69 Prozent, der der Fremden bei 31.

Was die Fremden betrifft – dieser Terminus wird in der Kriminalstatistik verwendet – liegt der Anteil der als tatverdächtig ermittelten Asylwerber unter den Fremden bei 21 Prozent. 2015 waren es 15 Prozent gewesen. Hier ist anzumerken, dass gegen diese Tatverdächtigen überwiegend wegen Kleindiebstählen und Raufereien ermittelt wurde.