Überwachungen in Österreich "möglichst live". In Österreich gibt es bei Überwachungen von Schlepperbanden praktisch keine Verzögerungen.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 15. Juni 2017 (13:42)
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Der Fundort auf der A4 bei Parndorf

Dabei "muss möglichst live gearbeitet werden", betonte Gerald Tatzgern vom Bundeskriminalamt (BK) am Donnerstag.

Die Gefahr von ähnlichen Katastrophen wie auf der A4 bei Parndorf ist nicht gebannt, in Rumänien kam es vor zwei Wochen zu einem Verkehrsunfall mit zehn toten Flüchtlingen.

"Verpflichtet, so etwas zu verhindern"

"Wir sind verpflichtet, so etwas zu verhindern", sagte Tatzgern zur Situation in Österreich. "Wir als Kriminalpolizei führen selbst die Überwachungsmaßnahmen durch." In anderen Ländern wie Ungarn machen das teilweise andere Abteilungen, erläuterte der Leiter der Zentralstelle zur Bekämpfung der organisierten Schlepperkriminalität und des Menschenhandels im BK.

Er könne aber nicht konkret auf die Situation in Ungarn eingehen, sagte Tatzgern zu Medienberichten, wonach die ungarischen Behörden vor dem Schlepperdrama auf der A4 angefertigte Abhörprotokolle erst im Nachhinein übersetzt haben.

Höchstens ein paar Stunden Verzögerung

Es könne zwar auch in Österreich zu Verzögerungen bei Abhörmaßnahmen kommen, diese würden jedoch höchstens ein paar Stunden ausmachen, hielt Tatzgern fest. Das sei beispielsweise der Fall, wenn plötzlich zusätzlich ein Dolmetscher für eine andere Sprache benötigt werde.

"Grundsätzlich sind wir so gut wie live drauf", betonte Tatzgern. "Wir müssen auch nicht alles übersetzen können", wie wenn es etwa um einen in dem Moment belanglosen Autokauf gehe. "Wichtig ist zu erkennen, worum es geht." Zeit und Ortsangaben werden von den Schleppern in Gesprächen oft kryptisch gehalten.

"Die Kenntnis, dass es diese Gespräche und Aufzeichnungen der ungarischen Behörden gab, hatten wir bis dato nicht", sagte Tatzgern. Unter anderem wurde eine Anweisung an den Fahrer protokolliert: "Sag ihm, er soll nur weiterfahren. Und falls sie sterben sollten, dann soll er sie in Deutschland im Wald abladen."

Schlepperbanden würden "keine Beweise" hinterlassen wollen, erklärte Tatzgern dazu. Leichen würden "wie Müll abgeladen", erinnerte er an fünf beim Transport erstickte Flüchtlinge aus Sri Lanka, die 1993 auf einem Parkplatz der A2 bei Leobersdorf in Niederösterreich in einem Gebüsch entdeckt worden waren. Diese Umstände haben sich "bis heute nicht geändert", sagte der Experte.

Aufgriffszahlen geringer als in vergangenen Jahren

In Österreich sind die Aufgriffszahlen laut Tatzgern derzeit nicht so hoch wie in den vergangenen Jahren. Auf der Balkanroute gibt es aber weiterhin Fälle, "wo Personen in Gefahr kommen könnten oder sogar sind". In Bulgarien starben am vorletzten Wochenende zehn Flüchtlinge in einem Kleinlaster, berichtete Tatzgern. Der erst 16-Jährige Lenker ohne Führerschein hatte mit rund 20 Personen an Bord einen Unfall verursacht. In Bulgarien wurde jüngst ein Lkw mit 100 geschleppten Personen gestoppt. Erstickungsgefahr bestand wegen des Aufbaus mit einer Plane nicht. Zuletzt wurden auf der Balkanroute allgemein wieder mehrere Schleppungen in Lkw und Kleinlastern festgestellt, betonte Tatzgern.