Streit um Chefrolle in der Schlepperorganisation. Der Prozess um das A4-Flüchtlingsdrama am Gericht im südungarischen Kecskemet ist am Freitag fortgesetzt worden. Staatsanwalt, Verteidiger und Mitangeklagte reagierten auf eine Aussage des Hauptangeklagten.

Von Redaktion, APA. Erstellt am 25. Mai 2018 (16:06)
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Dabei hatte der Afghane an mehreren Verhandlungstagen den Mord-Vorwurf und die Rolle des Bandenchefs zurückgewiesen und erneut beteuert, den Tod der 71 Flüchtlinge nicht gewollt zu haben, die 2015 in einem auf der A4 bei Parndorf abgestellten Lkw entdeckt worden waren. Zwischen dem vermeintlichen Bandenchef und dem Zweitangeklagten gab es Schuldzuweisungen und Streit über ihre Rollen in der Schlepperorganisation. Der bulgarische Zweitangeklagte hätte die Befehle erteilt, er sei nur Vermittler gewesen, behauptete der Afghane.

Demgegenüber schrieb der Bulgare wiederum die Schuld am Erstickungstod der Flüchtlinge dem Hauptangeklagten zu, da der Afghane den Todes-Lkw überladen hätte. Ursprünglich sollten nach Anordnung des noch flüchtigen "Kairo", einem der Chefs der Schlepperorganisation, nur 30 Flüchtlinge transportiert werden.

Mit einer durch die Fahndungsbehörde angefertigten Video-Animation wurde die Fahrt des Todes-Lkw nachgestellt, außerdem wurden erneut Abhörprotokolle von Telefonaten der Schlepper während der Fahrt verlesen. Laut Gerichtssprecher soll die Verhandlung am 5. Juni mit der Bekanntgabe einer schriftlichen Aussage des Hauptangeklagten fortgesetzt werden.

In dem Prozess sind insgesamt 14 Personen - elf Bulgaren, zwei Afghanen sowie ein bulgarisch-libanesischer Staatsbürger - angeklagt. Sie sollen Schuld am Erstickungstod der Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, dem Iran und dem Irak sein. Unter den 71 Todesopfern waren vier Kinder. Drei der 14 Angeklagten sind noch auf der Flucht. Seit Juni 2017 wird in Kecskemet verhandelt, weil die Migranten auf ungarischem Staatsgebiet ums Leben kamen.