Ärztin stalkt im Liebeswahn Kollegen. Stalking / Jahrelang heftete sich eine Ärztin auf die Fersen eines Mediziners. Dass dieser von ihr gar nichts wissen will, glaubte sie nicht.

Erstellt am 16. September 2012 (17:50)
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Von Claudia Stöcklöcker

„Jedes Wegstoßen bedeutet einen Zuwachs an Liebe.“ Davon war eine Ärztin aus dem Mostviertel überzeugt. Im Prozess am Landesgericht St. Pölten, heuer im Februar, erzählte die 53-Jährige von einer Liebesbeziehung. Beharrliche Verfolgung nannte es die Anklagebehörde. Von „nahezu wahnhaftem Verhalten“ sprach der Richter und bot außerordentlichen Tatausgleich an. Der aber scheiterte.

In einem Gespräch im Beisein von professioneller Hilfe sollten Opfer und Täter damals Klarheit schaffen, der Richter warnte die Angeklagte: „Sie müssen akzeptieren, dass er nichts von Ihnen will. Bei der kleinsten Kleinigkeit sitzen Sie sonst wieder hier!“ Vergangene Woche war es so weit. Dem Opfer, ein Mediziner, hatte die 53-Jährige drei Jahre lang das Leben schwer gemacht. „Sie hat mich belästigt, verfolgt, sogar bedrängt. Das hat Angst ausgelöst, weil ich erkannt habe, dass das abnormal ist. Einmal ist sie plötzlich in meiner Wohnung gestanden oder sie lauert mir auf, taucht aus der Finsternis auf. Sie hat verbreitet, dass sie mich heiraten möchte, hat eine Trauzeugin organisiert, sie hat eine Unzahl von SMS geschickt, mit Liebesschwüren und Fotos. Das letzte erst gestern. Da bezeichnet sie den Prozess als Date. Ich habe ihr mehrfach gesagt, dass sie mich in Ruhe lassen soll, aber sie interpretiert jeden Kontakt als Bestätigung. Sie hat diese Theorie, dass ich unbewusst etwas ganz Anderes will“, erzählte der Mediziner bereits im Februar. „Je mehr er mich liebt, umso mehr stößt er mich weg“, konterte damals die Ärztin.

Ein Gutachten wurde nun eingeholt. „Zurechnungsfähig“, attestiert ein Psychiater, jedoch „eingeschränkt schuldfähig“. Der Richter verhängt drei Monate bedingt, nicht rechtskräftig. „Sie sind ein Lehrbuchfall, eine Stalkerin im klassischen Sinn! Bei neuerlicher Anzeige laufen Sie Gefahr, ins Gefängnis zu müssen. Ziehen Sie einen Schlussstrich, lassen Sie ihn einfach in Ruhe!“, gibt Richter Markus Grünberger der Ärztin mit auf den Weg. Die 53-Jährige verspricht Besserung. Eines möchte sie aber schon noch wissen. „Du möchtest wirklich keine SMS mehr?“, fragt sie den Mediziner. Der ringt die Hände und entzieht ihr das Du-Wort. „Ich möchte – zum 1.000sten Mal – keinen Kontakt mehr!“

„Lassen Sie ihn einfach in Ruhe“, empfiehlt Richter Markus Grünberger der angeklagten Ärztin.

NÖN