Anabolika-Szene - Betreiber von Labor festgenommen. Die Operation "Sledge Hammer" gegen den Handel mit illegalen Dopingmitteln hat zu einem weiteren Erfolg geführt. "Superstar" der Szene aus Niederösterreich ist in Haft.

Erstellt am 01. Februar 2011 (19:04)
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Nachdem bereits im Vorjahr Anabolika im Wert von rund einer Million Euro in Lagerräumen in Wien und Niederösterreich sichergestellt worden sind, haben die Ermittler des Bundeskriminalamtes (BK) in Kooperation mit dem Bundeskriminalamt Wiesbaden im Zuge der weiteren Ermittlungen zwei Österreicher und einen Deutschen festgenommen, die für das älteste einschlägige Vertriebslabor "International Pharmaceuticals" (IP) verantwortlich sein sollen, berichtete  Andreas Holzer, Leiter des Büros für Suchtmittelbekämpfung im BK, am Dienstag bei einer Pressekonferenz in Wien.

Bei einem der beiden Männer, die in Österreich festgenommen worden sind, handelt es sich um einen "Superstar" der Szene aus Niederösterreich. "Er hat im Internet Interviews gegeben", sagte Klaus Preining vom Landeskriminalamt Niederösterreich. Der Verdächtige ist auch Co-Autor des Werkes "Das Schwarze Buch - Anabole Steroide", eine Art Betriebsanleitung für den Dopingkonsumenten, von dem rund 60.000 Stück verkauft worden sind. In Deutschland wurde zusätzlich ein Großlager der IP gefunden und rund 5.000.000 Stück Anabolika, Hormonpräparate und Stimulanzien im Wert von rund einer Million Euro sicher gestellt. Das Labor wurde allerdings nicht gefunden.

   Bereits im Vorjahr wurden im Zuge von "Sledge Hammer" in Lagern in Wien und Niederösterreich 2.000 Kilogramm Anabolika, Hormonpräparate und Stimulanzen im Wert von einer Million Euro sichergestellt und vier Personen festgenommen.  Die Gruppe soll via Internet einen regen internationalen Handel mit diversen Dopingmittel betrieben haben. Schwer zu finden waren sie nicht unbedingt: Die Verdächtigen unterhielten unter anderem die Homepage http://www.anabolika.com, wo man die gewünschten Substanzen bestellen konnte. Die Lieferungen ins In- und Ausland folgten über private Paketdienste unter der Angabe eines falschen Adressaten.

   Die verbotenen Substanzen wurden - oftmals unter fragwürdigen hygienischen Bedingungen - in Laboratorien in Indien, Pakistan und China produziert. Die Endproduktion erfolgte meist in osteuropäischen Ländern.

   Der Dopinghandel wird zunehmend von kriminellen Organisationen übernommen. "Es gibt einen hohen Gewinn und das Risiko ist geringer als beim Drogenhandel", sagte Ernst Geiger, Abteilungsleiter im BK. Die Kunden stammen vor allem aus dem Breitensport. "Es gibt ein mangelndes Unrechtsbewusstsein", so Geiger. Die Gefahren der Mittel sind aber nicht zu unterschätzen: Unter den "Usern" wurden nicht nur vermehrte Aggressionen und Depressionen beobachtet, sondern auch die Entstehung von diversen Krebsarten. Strafe droht den Konsumenten allerdings nicht, da nur das Dealen dieser Mittel strafrechtlich relevant ist.