Anonymus: Die große Angst vor den Hackern. Die Hacker-Attacken auf die Homepages von Parteien und auf das Gebühren-Info-Service des ORF sorgen für Aufregung. Die Polizei ermittelt gegen die Täter.

Erstellt am 31. Juli 2011 (21:06)
NOEN
VON MARTIN GEBHART, ANITA KIEFER,
GILA WOHLMANN UND MICHAELA FLECK
Als Hacker in den vergangenen Wochen die Homepages von Parteien knackten und teilweise lahmlegten, wurde vielfach darüber noch geschmunzelt. Als vor wenigen Tagen allerdings der ORF zugeben musste, dass Hacker 214.000 Datensätze von Kunden des Gebühren-Info-Services (GIS) gestohlen haben, verging auch das letzte Lächeln. Noch dazu, weil in 96.000 Fällen auch die Kontendaten der Kunden dabei waren.
Seither herrscht Aufregung und auch Angst vor weiteren Attacken der Hacker. Sie nennen sich „Anonymus“, „LulzSec“ (Kurzwort für „Eure Security ist ein Witz) oder „AnonAustria“, so der heimische Ableger von „Anonymus“. Beim Knacken der Parteihompages wurden immer auch Botschaften mittransportiert. Der SPÖ fehle das Soziale, die FPÖ sei zu rechtsextrem. Und vor kurzem wurden auch die Grünen gehackt. Das Schlimme dabei: Beim Knacken der Homepages wurden auch die Kenn- und Passwörter von Usern publik, die diese Homepages besucht hatten.
In Niederösterreich traf es speziell die SPÖ in St. Pölten. Dort wurde am Tag der Gemeinderatswahl in der Landeshauptstadt die Bezirkshomepage durch „AnonAustria“ geknackt. Besucher wurde sofort auf eine andere Internetseite weitergeleitet. Die Landes-SPÖ hat deswegen bereits Anzeige erstattet. SPÖ-Bezirksparteiobmann Anton Heinzl: „Es waren aber keine persönlichen Daten darauf.“
Eingeschränkt ist derzeit auch die Landes-FPÖ. Der Hackerangriff auf die Bundes-FPÖ hat auch sie erwischt. Pressesprecher Landtagsabgeordneter Christian Hafenecker: „Wir können derzeit keine aktuellen Pressemeldungen auf die Homepage stellen.“ Geknackt und öffentlich gemacht wurden auch Telefonnummern von FPÖ-Spitzenpolitikern, darunter auch die Handynummer von Landesrätin Barbara Rosenkranz. Hafenecker: „Bei meiner Nummer ist es egal, ich stehe sowieso im Telefonbuch.“
Die Attacke auf die GIS-Homepage hatte noch viel schlimmere Auswirkungen. Betroffen sind vor allem jene Kunden, die ihre Anmeldung und die Bezahlung ihrer ORF-Gebühren über die Homepage erledigten. Sie alle wurden bereits kontaktiert. Ein betroffener Wiener Neustädter frustriert zur NÖN: „Mir wurde per E-Mail mitgeteilt, dass ich mir die Bewegungen auf meinem Konto in nächster Zeit genauer anschauen soll. Mehr nicht.“

Verfassungsschutz ermittelt gegen „Anonymus“
Die Angriffe der Hacker beschäftigen bereits intensiv die Exekutive. Die Fälle werden in der Zentrale vom Bundesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung behandelt. Rudolf Gollia, Pressesprecher des Ministeriums: „Das BVT beschäftigt sich mit der Bekämpfung von Radikalismus und Extremismus. Auch Angriffe von Anonymus gegen die SPÖ, die FPÖ und GIS werden vom BVT behandelt. Derzeit weiß man noch nicht, wer hinter Anonymus steckt.“ Auch wenn im Ausland jetzt ein Hacker von der Polizei aufgespürt werden konnte.
Gollia: „Die Ermittlungen sind zumeist sehr schwierig, oft ist auch enge Zusammenarbeit mit dem Ausland nötig, da sich nicht selten die Server dort befinden. Dadurch, dass es dort zumeist andere Rechtsvorschriften gibt, werden die Erhebungen noch komplizierter.“ Die Hacker fallen unter Cybercrime, was für die Polizei eine immer größere Herausforderung wird. Deswegen wird im Ministerium derzeit viel in diese spezifische Fortbildung investiert. Außerdem wird ein Cybercrime-Center geschaffen.
Anonymus hat die Hacker-Angriffe ins Rampenlicht gestellt. Tagtäglich gibt es daneben aber Tausende solcher Attacken. Vor allem im Wirtschaftsbereich. „Unternehmen ist dringend angeraten, mehr in die IT-Sicherheit zu investieren“, so Josef Riedinger vom Landeskriminalamt.

WIE SCHÜTZE ICH MICH VOR HACKER-ANGRIFFEN?

Aktuelle Antiviren-Software von einem renommierten Hersteller verwenden. Mittlerweile gibt es auch viele freie Antiviren-Programme. Immer wieder tauchen im Netz auch sogenannte „fake antivirus scanner“ auf. Meist wird ein versuchtes System vorgetäuscht und eine Bezahlung für die Bereinigung verlangt. Doch im Nachhinein entpuppt sich die gekaufte Software als der eigentliche Virus.
Betriebssystem und Anwendungen regelmäßig updaten. Um den Überblick zu behalten, empfiehlt sich das für den Privatgebrauch kostenlose Tool Secunia Personal Software Inspector (secunia.com)
Sichere Passwörter mit Zahlen und Sonderzeichen verwenden und regelmäßig ändern.
Verschiedene Passwörter für Dienste wie Facebook, Ebay & Co. benutzen. Im Internet von den Hackern veröffentlichte Passwortlisten zeigen, dass viele Benutzer das gleiche Kennwort für verschiedene Dienste verwenden.
Passwörter und sensible Daten verschlüsselt abspeichern. Es gibt eine Vielzahl an freier Software. Für die Passwortverwaltung gibt es etwa das Tool KeePass (www.keepass.info). Die Passwörter werden in einer Datenbank abgelegt.
Persönliche Daten nicht leichtfertig weitergeben. In Mails oder auf Websites wird oft zur Eingabe von Daten wie Kreditkartennummer oder E-Banking-TANs aufgefordert. Oft handelt sich um Phishing Attacken.
E-Banking-Geschäfte. Als derzeit sicherste Variante gilt die digitale Signatur. Hierfür benötigen sie Chipkartenleser, eine registrierte Signaturkarte und kleines Stück Software am Rechner. Beim Zugriff auf E-Banking oder bei der Freigabe von Zahlungsaufträgen ist ein PIN erforderlich, welcher direkt am Chipkartenleser eingegeben wird. Viele Banken unterstützen auch die Bürgerkarte. Details und Informationen unter www.buergerkarte.at
Webshops auf ihre Vertrauenswürdigkeit prüfen (Gütezeichen).