Flottmacher seit fünfzig Jahren. Am 16. 9. 1967 starteten die ersten ARBÖ-Pannenhelfer, um liegengebliebene Kfz wieder flottzumachen.

Von Eva Hinterer. Erstellt am 19. September 2017 (01:47)
Erich Marschik
Die pensionierten Pannenfahrer Robert Bichler und Siegfried Artbauer; Harald Mitterbauer und Franz Pfeiffer sind noch aktiv. Der ARBÖ-Pannenkäfer wird von Bichler liebevoll gepflegt.

1967 war Siegfried Artbauer ARBÖ-Pannenhelfer der ersten Stunde. Ein Puch 500 mit 16 PS war das erste Arbeitsgerät der 37 Techniker, die die ersten Pannenfahrer Österreichs waren. Zu einer Zeit, als im Auto alles noch mechanisch funktionierte. Und dann ging’s rasant dahin, als in den 80ern die Elektronik Einzug hielt, als die Katalysatoren kamen, elektronische Fensterheber, Servolenkung, Sitzheizung, die Sicherheitseinrichtungen vom Airbag bis zur Wegfahrsperre. Und immer mussten und müssen die Pannenhelfer des ARBÖ – anfangs waren es nur Männer – technisch mithalten. Denn jede kleine Neuerung kann auch Probleme machen.

Wobei: Manche Neuerungen sind auch für die Pannenfahrer erfreulich, Handys zum Beispiel und auch Navigationssysteme. Artbauer erzählt, dass er in den 70er-Jahren einmal „auf die Autobahn zwischen Wien und Graz“ gerufen wurde. Aber das kaputte Fahrzeug stand leider nicht auf der A2, sondern am Semmering.

Falscher Sprit und eingesperrte Schlüssel

Allzu menschlich geht es trotz Hightech auch heute noch zu: Viele Einsätze gibt es, weil der falsche Sprit getankt wurde. „Oder generell falsche Flüssigkeiten nachgefüllt wurden“, sagt ARBÖ-Betriebsleiter Harald Mitterbauer. Auch werden oft Schlüssel eingesperrt oder Reifen an Randsteinen ruiniert. Landesgeschäftsführer Franz Pfeiffer erzählt von einem Erlebnis vor Jahrzehnten, als ein Lenker bei einer Waschstraße seinen vierjährigen Buben samt Schlüssel irrtümlich ins Auto eingesperrt hatte. Die Türen wurden damals noch mechanisch entriegelt und als Pfeiffer mit einem Draht die Verriegelung gelöst hatte, strahlte ihn der Vierjährige aus dem Auto an und drückte den Knopf wieder nach unten. „Das haben wir eine dreiviertel Stunde so gespielt“, erinnert sich Pfeiffer.

Zwischen 40.000 und 60.000 Kilometer ist ein Pannenfahrzeug im Schnitt pro Jahr unterwegs. Die Pannenfahrer müssen eine abgeschlossene Kfz-Lehre haben sowie Führerscheine in mehreren Kategorien besitzen. Jährlich sind technische Schulungen und auch Spezialschulungen für bestimmte Systeme zu absolvieren. Repariert wird alles Fahrbare bis 7,5 Tonnen.

Seit 1986 gibt es in Österreich einen 24-Stunden-Pannendienst

Nachdem es auch beim ARBÖ mit dem Nachwuchs immer schwieriger wurde, hat die Organisation 2004 damit begonnen, selbst Lehrlinge auszubilden. „Mittlerweile haben wir fünf ‚Eigenbau-Leute‘“, sagt Pfeiffer, „inklusive Bundesheer-Zeit dauert es fast sieben Jahre, bis sie als Pannenfahrer voll einsetzbar sind.“

Kaum zu glauben: Erst seit 1986 gibt es in Österreich einen 24-Stunden-Pannendienst, davor war zwischen Mitternacht und sechs Uhr morgens Pause.

Was ist eigentlich ein ärgerlicher Einsatz? „Wenn du bei Schnee und Matsch raus musst, die Schuhe schon um sieben Uhr früh nass sind. Und dann hast du einen Einsatz auf der Autobahn, was ziemlich gefährlich ist, das Auto hat einen kaputten Auspuff, dass du dich auch noch d’runterlegen musst“, sagt Robert Bichler. Übrigens: Richtig viel los ist bei Vollmond, sehr wenig bei der Umstellung von Sommer- auf Winterzeit, weil es früh dunkel wird.