Rupert Strasser: „80 Prozent haben geringe Symptome“. Melker Arzt Rupert Strasser behandelte schon viele Covid-Patienten. Er erzählt von Lehren aus Frühjahr.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 14. Oktober 2020 (05:13)
Rupert Strasser ist ärztlicher Direktor im Ex-Covid-Krankenhaus Melk.
privat

NÖN: In Melk wurden bisher 290 Covid-19-Patienten behandelt. Wie waren die Krankheitsverläufe?

Rupert Strasser: 80 Prozent der Infizierten haben geringe Symptome wie Fieber und Husten, Kopfschmerzen, Störung der Geruchs- und Geschmacksempfindung und Halsschmerzen. 15 Prozent haben einen schwereren Verlauf mit Symptomen wie Atemnot, hohem Fieber und neurologischen Beschwerdebildern. Ganz schwere Fälle mussten auf der Intensivstation künstlich beatmet sowie die Kreislauffunktionen medikamentös unterstützt werden. Bei wenigen Intensivpatienten mit Organversagen war eine Dialyse bzw. eine Behandlung mit der künstlichen Lunge erforderlich.

Wie lang mussten die Patienten im Schnitt im Spital bleiben?

Strasser: Die durchschnittliche Behandlungsdauer lag zwischen zwei und drei Wochen. Gefährdet, schwer zu erkranken, sind Menschen über 65, mit chronischen Atemwegserkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, erhöhtem Blutdruck sowie Immungeschwächte.

Welche Lehren hat man aus der Situation im Frühjahr gezogen, Was macht man jetzt anders?

Strasser: Wichtig ist die Reduktion von sozialen Kontakten unter Einhaltung der Abstandsregeln und der Verwendung von Schutzmasken, außerdem Händehygiene. Patienten, die mit Covid verstorben sind, hatten meist viele Vorerkrankungen. Ganz vereinzelt sind junge Menschen schwer erkrankt. In Vorbereitung auf eine eventuelle zweite Welle ist die Einhaltung der im Frühjahr bestätigten Maßnahmen wichtig, außerdem umfangreiche Testungen.

Wie sieht die Ausstattung mit Schutzausrüstung aus?

Strasser: Trotz angespannter Situation ist es uns in Österreich gelungen, zurzeit ausreichend Schutz- und Testmaterialien zur Verfügung zu haben.