Laserpointer gegen Flugzeuge: Vorfälle nehmen zu. Die Lichtstrahl-Attacken gegen Fluggeräte nehmen zu. Und das ist brandgefährlich.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 01. Mai 2018 (02:21)
riopatuca/Shutterstock.com
Flugzeuge, Hubschrauber, aber immer öfter auch Straßenfahrzeuge werden mit Laserpointern geblendet.

130 Passagiere in einer Eurowings-Maschine, 140 Fluggäste in einem AUA-Flieger. Sie alle wurden in Gefahr gebracht, durch einen vermeintlichen Scherz, der im schlimmsten Falle für alle tödlich enden hätte können: Beide Flieger wurden beim Landeanflug auf Wien mit einem Laserpointer geblendet. Den Verursacher vermutet die Polizei im Raum Gerasdorf. Weil die Piloten besonnen reagiert haben, konnten beide Maschinen sicher landen.

Wahnsinnsaktionen wie diese sind aber kein Einzelfall. „Wir verzeichnen im Bereich des Flughafens Wien ein bis zwei Mal im Monat solche Vorfälle“, sagt Walter Schwarzenecker von der Landespolizeidirektion NÖ. Die Blendattacken sind weder lustig noch legal: Nach dem Luftfahrtgesetz ist die Verwendung eines Lasers im Umkreis von 2.500 Metern um den Flugplatz verboten. Sie gilt als Verwaltungsübertretung. Kommt es zu einer tatsächlichen Beeinträchtigung der Luftfahrt, dann greift das strafrechtliche Delikt der „vorsätzlichen Gefährdung der Sicherheit der Luftfahrt“ – Strafrahmen: 1 bis 10 Jahre!

„Nicht nur, dass Pilot und Co-Pilot dadurch irritiert werden, das Laserlicht kann zu irreparablen Schädigungen der Netzhaut der Piloten führen.“ Stefan Koller, Berufspilot

Die Ausforschung und Lokalisierung von Verursachern der Laserstrahlen ist schwierig; dabei kommt der Hubschrauber des Innenministeriums zum Einsatz ( Interview mit Michael Korvas )

Jährlich werden europaweit mehrere Hundert Laserattacken auf Piloten gemeldet. Die Austrian Cockpit Association (ACA) fordert daher eine Aufnahme der Nutzung von Laserpointern ins Waffengesetz. Auch, „um der Exekutive die Ahndung solcher Attacken zu erleichtern“, wie Stefan Koller, Berufspilot und Sicherheitssprecher der heimischen Pilotenvereinigung ACA, erklärt. Grundproblem sei, dass blendstarke Laser ganz einfach im Internet bestellt werden können.

Eine Reichweite von bis zu 5.000 Metern ist damit möglich. „Das Licht streut an der Cockpit-Oberfläche und lässt das Innere des Cockpits taghell erleuchten“, erläutert Koller. Die Piloten haben dafür Abwehrstrategien. „Sie wenden den Blick ab, schauen auf die Instrumente, schalten im Bedarfsfall auf Auto-Pilot um oder brechen den Landeanflug ab“, so Koller.

"Das ist kein Lausbubenstreich!"

Besonders schwer können aber die gesundheitlichen Folgen für die Piloten sein. „Das ist kein Lausbubenstreich! Nicht nur, dass Pilot und Co-Pilot immens irritiert werden, das Laserlicht kann zu Schädigungen der Netzhaut der Piloten führen“, sagt Koller. Im schlimmsten Fall kann das einen Piloten auf Zeit oder auch dauerhaft dienstunfähig machen.

Markus Pohanka von der Flugsicherungsstelle Austro Control unterstreicht dies: „Das ist keine Bagatelle und hat eine Menge an Konsequenzen für die Flugsicherung.“ Aufgabe der Austro Control ist es, Abflüge und Landungen koordiniert durchzuführen. Sicherheit ist oberstes Gebot. Zeitverzögerungen im Flugverkehr sind durch gefährliche „Scherze“ wie Laserattacken vorprogrammiert.

Laserattacken sind vor allem für Rettungshubschrauber ein Problem. Ralph Schüller von der ÖAMTC-Flugrettung: „Solche Vorfälle passieren immer wieder bei Landeanflügen auf Krankenhäuser. Der Pilot kann dadurch die Orientierung verlieren.“ Eine Verzögerung kann für den Patienten, der gerade lebensrettender Erstmaßnahmen bedarf, gravierende Folgen haben. Schüller: „Wir fliegen ja nicht zum Spaß herum. Wir retten Menschenleben!“