Auenreservat bietet Lebensraum für 500 gefährdete Tiere. 100 brütende Vogelarten, grasende Konik-Pferde, Fische und Flussmuscheln: Das WWF-Auenreservat in Marchegg bietet Tieren einen Rückzugsort. Gleichzeitig etablierte es sich zum beliebten Naherholungsgebiet für Naturliebhaber.

Von NÖN Redaktion. Erstellt am 22. Juni 2020 (17:31)
NLK Filzwieser

In den vergangenen 50 Jahren hat sich das WWF-Auen-Reservat in Marchegg (Bezirk Gänserndorf) zu einem Lebensraum für mehr als 500 in Österreich hochgradig gefährdeter Tier- und Pflanzenarten entwickelt. Als die Naturschutzorganisation WWF gemeinsam mit der Stadtgemeinde Marchegg das Gebiet im Jahr 1970 erwarb, war die March noch Teil des Eisernen Vorhangs und das heutige Auenreservat Jagd- und Forstgebiet im Besitz der Familie Palffy. Großes Interesse gab es daran aber schon damals: Bei der Eröffnung im Juni 1970 reiste neben dem damaligen Bundespräsidenten Franz Jonas auch Prinz Bernhard der Niederlande und die spätere Königin Beatrix eigens an, um das Gebiet zu begutachten. 

Heute zählen die Marchauen mit über 100 brütenden Vogelarten zu den reichsten Gebieten Mitteleuropas. Nicht nur ist im Gebiet die größte baumbrütende Weißstorchkolonie Europas beheimatet, auch der hierzulande lange ausgestorbene Seeadler begann erstmals im Auenreservat wieder zu brüten. Inzwischen gibt es bundesweit wieder 35 bis 40 Brutpaare des österreichischen Wappentiers. Seit einigen Jahren grasen dort außerdem Konik-Pferde.

„Die Marchauen sind eine der großen Erfolgsgeschichten im österreichischen Naturschutz. Seit der Ausweisung als Naturschutzgebiet wurde die einst intensiv genutzte Landschaft Schritt für Schritt als natürlicher Lebensraum wieder aufgewertet. Heute zählt das WWF-Reservat zu den bedeutendsten Auenschutzgebieten Europas und bietet hunderten gefährdeten Arten einen Rückzugsort“, freut sich WWF-Geschäftsführerin Andrea Johanides. 

Begeistert von dem Lebensraum für Tiere und Pflanzen zeigt sich auch Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP): „Das Auenreservat Marchegg ist ein Juwel unseres Naturlands Niederösterreich. Wir geben geschützten Arten eine Heimat und bieten auch wertvolle Naherholungsräume für die Menschen. Gerade die Beweidung mit den seltenen Konik-Pferden ist ein besonders gelungenes Beispiel dafür."  

Zwischenstopp für Tierwanderungen

Eine besondere Anerkennung gab es 1983 mit der Ausweisung der March-Thaya-Auen als international geschütztes Feuchtgebiet gemäß der Ramsar Konvention. 1996 folgte die Ausweisung als Europaschutzgebiet (Natura 2000). Anfang der 2000er Jahre wurden vier Grünbrücken im Rahmen des Alpen-Karpaten-Korridors gebaut, wodurch sich die Marchauen zu einem bedeutenden Zwischenstopp für Tierwanderungen in Europa entwickelt haben.  

Gewässerschutz steht im Vordergrund

Seit Anfang der 2000er Jahre rückte der Gewässerschutz verstärkt in den Vordergrund. Ziel war es, die einst stark regulierte March wieder natürlicher fließen zu lassen. Die stellenweise Wiederanbindung des Flusses an seine Auen ermöglicht neue Lebensräume für etliche Süßwasserarten, von Amphibien und Fischen bis hin zu Flussmuscheln und Urzeitkrebsen. Jurrien Westerhof, Projektleiter March-Thaya-Auen beim WWF Österreich: „Die March mit ihren Auen ist heute eine der bedeutendsten Flusslandschaften Mitteleuropas. Sie ist der einzige naturnahe Tieflandfluss pannonischer Prägung Österreichs und bietet mit ihren angrenzenden Landschaften einen Lebensraum für mehr als 500 in Österreich hochgradig gefährdeter Tier- und Pflanzenarten sowie Lebensräumen, von denen einige hier ihre europaweit wichtigsten Vorkommen haben. Dazu zählen etwa Rotbauchunke, Donau-Kammmolch, Rot- und Schwarz-Milan, Seeadler, Europäische Sumpfschildkröte, Flussmuschel oder Urzeitkrebse.“