Auf der Suche nach Gotteskriegern. Nach der Festnahme eines tschetschenischen Asylwerbers im Bezirk Gmünd ermitteln Staatsanwaltschaft und Verfassungsschutz. Der Anwalt des Mannes vermutet politische Suche nach Erfolgen.

Von Gila Wohlmann, Markus Lohninger und Jutta Hahslinger. Erstellt am 08. September 2014 (05:02)
NOEN

Magomed Z., 29, ist tschetschenischer Asylwerber. Am 31. August wurde er in Heidenreichstein im Bezirk Gmünd auf Anordnung der Staatsanwaltschaft Krems festgenommen, wo er seither in Untersuchungshaft sitzt.

Z. soll ein Dschihadist (islamischer Gotteskrieger) sein. Er steht im Verdacht, einer terroristischen Vereinigung anzugehören. Das Strafmaß dafür liegt bei ein bis zehn Jahren Haft.

Den Ermittlungen zufolge soll Magomed Z. im Jahr 2013 an Kampfhandlungen in Syrien beteiligt gewesen sein. Im Dezember 2013 ist er jedenfalls zu einer medizinischen Behandlung seiner Augen nach Österreich eingereist und hat einen Asylantrag gestellt. „Dieser wurde aber zwischenzeitlich in erster Instanz negativ beschieden, wogegen er Berufung einlegte“, informiert Roland Scherscher, Leiter des Landesamtes für Verfassungsschutz.

"Unauffällig und nett"

Über die Erstaufnahmestelle Traiskirchen kam Magomed Z. dann in die Flüchtlingsunterkunft „Lolita“ in Lilienfeld. Bis April hat er hier gelebt. „Er war absolut unauffällig und nett und hat sogar einen Deutschkurs mit Syrern besucht“, sagt „Lolita“-Betreiber Herbert Eder. Sein Unternehmen, SLC Europe-Austria, ist der größte Flüchtlingsquartiergeber in Niederösterreich und verfügt allein in NÖ über 40 Unterkünfte. Eder zum Festgenommenen: „Nichts hat auf irgendeinen religiösen Fanatismus hingedeutet.“

Verfassungsschützer Scherscher sieht das etwas anders: „Der Mann geriet über eine Anfrage einer ausländischen Behörde in Zusammenhang mit Kontakt zu anderen Personen ins Visier der Ermittler. Wir ermitteln wegen des Verdachtes der Teilnahme an einer terroristischen Vereinigung.“

Die Staatsanwaltschaft Krems sieht die Voraussetzung für eine U-Haft – dringende Verdachtslage – durchaus als gegeben an. Sprecher Franz Hütter: „Die Beweislage ist nicht so schlecht.“

Im Frühjahr wurde Magomed Z. gemeinsam mit anderen Asylwerbern in ein Quartier nach Heidenreichstein verlegt, wo er am 31. 8. festgenommen wurde.

Seit seiner Verhaftung laufen Ermittlungen „zu seiner Person und möglichen Kontaktpersonen“, sagt Verfassungsschützer Scherscher. Wie es derzeit aussieht, sei der Mann über soziale Netzwerke im Internet nicht besonders in Erscheinung getreten.

Verteidiger Blaschitz:  „Nur Vermutungen“

Rechtlich vertreten wird Magomed Z. vom Wiener Rechtsanwalt Wolfgang Blaschitz. Der Jurist vertritt auch in Wien einige mutmaßliche Dschihadisten. „Die Staatsanwaltschaft hatte noch nicht die Freundlichkeit, mir den Akt zu geben, daher bin ich auf Vermutungen angewiesen“, so Blaschitz zur NÖN. Er habe mangels Dolmetsch mit seinem Mandanten noch nicht „auf einem Niveau“ sprechen können. Dieser Termin steht am Montag, 8. September (nach Redaktionsschluss, Anm.) an. „Mein Eindruck vom persönlichen Umgang ist aber, dass der Verdacht völliger Blödsinn ist – wie bei den anderen angeblichen Gotteskriegern österreichischer Prägung.“ Magomed Z. sehe er eher als „Tschapperl“, noch dazu sei er halb blind.

Engagiert wurde der Anwalt von der Familie von Magomed Z. Laut Aussagen der Familie war Magomed Z. gar nicht in Syrien. „Aber selbst, wenn er es wirklich gewesen sein soll, heißt das noch lange nicht, dass er ein Gotteskrieger ist“, sagt Blaschitz. Der Jurist vermutet, dass die Sache politisch gesteuert ist, man suche Erfolge, täusche vor, was tatsächlich nicht sei. Beweise gebe es auch bei seinen Wiener Klienten bislang nicht, so Blaschitz, „nur Vermutungen“.

In Krems wird es in einigen Tagen zur ersten Haftprüfung für Magomed Z. kommen. Solange sich keine Vernetzungen mit anderen Fällen in Österreich ergeben, bleibt der Fall auch dort.