Herbst-Welle ist für Experten fix

Erstellt am 09. August 2022 | 20:00
Lesezeit: 3 Min
Quarantäne Symbolbild
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Foto: Aleksandr Pobeda, shutterstock
Dass es Österreich ohne Isolation von Infizierten durch kalte Jahreszeit schafft, will noch niemand voraussagen. Virologe Norbert Nowotny sieht die neue Verordnung bisher kaum umgesetzt.
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Den offiziellen Daten zufolge haben in NÖ zurzeit rund 13.000 Menschen Covid. Während zu Beginn der Pandemie noch die Polizei die Einhaltung der Isolation kontrollierte, unterliegen symptomlose Infizierte nun nur noch einer Verkehrsbeschränkung. Wer sich nicht krank fühlt, darf sich, wenn auch mit Maske, seit 1. August frei bewegen. Damit bleibt Covid-19 zwar eine von rund 80 anzeigepflichtigen Krankheiten in NÖ. Im Gegensatz zu Tuberkulose oder dem Hantavirus aber ohne Quarantäne-Pflicht.

Darüber spricht KW 32
Quelle: Landessanitätsdirektion/Bundesministerium für Arbeit, Soziales und Gesundheit
Foto: Illustration: roroiisha; Grafik: Hammer

Ob die Entscheidung zum Quarantäne-Aus richtig war, sind sich Experten nach den ersten Tagen uneinig. Der Epidemiologe der Donau-Uni Krems, Gerald Gartlehner, sagt „Ja“. Er begründet das damit, dass die Isolation in der aktuellen Phase der Pandemie ohnehin nicht mehr gut wirke. „In der Regel sind asymptomatische Personen weniger infektiös. Die meisten bewegen sich ohnehin frei, weil sie von ihrer Infektion nichts wissen.“ Gleichzeitig zieht er den Vergleich zu Ländern wie Spanien, wo die Infektionszahlen nach der Abschaffung nicht gestiegen seien.

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Gerald Gartlehner sieht das Quarantäne-Aus entspannt.
Foto: APA

In dem Punkt, dass noch keine Auswirkungen erkennbar sind, stimmt Virologe Norbert Nowotny zu. Er führt das jedoch darauf zurück, dass die meisten Betriebe die Verordnung „nicht oder nur eingeschränkt umsetzen“. Den meisten Firmenchefs sei das Risiko zu groß, denkt er. Im Gegensatz zu Gartlehner geht Nowotny aber davon aus, dass die Zahlen steigen, wenn die Verordnung konsequent umgesetzt wird.

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Norbert Nowotny bereitet das Quarantäne-Aus Sorge.
Foto: privat

In der aktuellen Sommer-Welle gehen die Zahlen zurück. Sie sind allerdings auch nur noch eine bedingt belastbare Quelle, da weniger getestet wird. Eine Herbst-Welle ist für beide Experten fix. „Da wir dann wieder eine höhere Viruszirkulation erwarten müssen, wird dies zu mehr Krankenständen führen, was der Idee der Verordnung widerspricht. Dann werden wir wieder restriktivere Maßnahmen wie eine Ausweitung der Maskenpflicht brauchen“, blickt Nowotny voraus. Gartlehner ist mit einer Prognose noch vorsichtig. Ob Österreich die kalte Jahreszeit ohne Quarantäne-Pflicht durchtauchen kann, hänge von der dann vorherrschenden Variante ab. Bei Omikron sieht er kein Problem.

Dennoch rät auch der Epidemiologe, gefährdete Menschen wieder stärker zu schützen. Sie sollten sich regelmäßig testen, um bei Erkrankung rechtzeitig mit Medikamenten behandelt werden zu können.

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