Rückblick: Das Land NÖ in Corona-Geiselhaft. Die Pandemie dominiert das Jahr 2020. Von den ersten Fällen im Februar bis zu den Massentests im Dezember.

Von Norbert Oberndorfer und Lisa Röhrer. Erstellt am 28. Dezember 2020 (05:10)
Die Situation auf den Intensivstationen in den niederösterreichischen Krankenhäusern wird vor allem im Herbst kritisch. Oberstes Ziel aller Corona-Maßnahmen ist es, ein System zu verhindern, bei dem der Arzt entscheiden muss, wen er zuerst behandelt.
APA/Salk

Wie außergewöhnlich das Jahr verlaufen wird, kann sich Ende 2019 niemand vorstellen. St. Pöltens Partnerstadt Wuhan in China sorgt damals mit einem neuartigen Corona-Virus für globale Schlagzeilen. Rasant breitet sich Sars-CoV-2 dann aber weltweit aus. Die Pandemie hat auch Niederösterreich fest im Griff. Und überschattet alle anderen Ereignisse im Jahr 2020.

Am 11. Februar erhält die Krankheit von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihren Namen: Covid-19. Wenige Tage später, am 25. Februar, werden die ersten Infektionen in Österreich gemeldet: Darunter ist ein Paar aus dem Bezirk Korneuburg, das sich in Italien angesteckt hat. Anfang März breitet sich das Virus auf andere Bezirke aus. Bis Jahresende infizieren sich laut AGES offiziell fast 50.000 Landsleute.

Am Freitag, 13. März, verfolgen unzählige Niederösterreicher vor dem Fernseher die Verkündung der drastischen Maßnahmen, um das Virus einzudämmen. Die Regierung führt das Land in den ersten Lockdown . Zwei Tage zuvor stuft die WHO Covid-19 als Pandemie ein. Bevor das Land am Montag dicht macht, spielen sich in Supermärkten ungewöhnliche Szenen ab: Menschen hamstern Klopapier und haltbare Lebensmittel. An Kliniken werden nicht lebensnotwendige Operationen verschoben, um Kapazitäten für Corona-Patienten frei zu halten.

Wenige Tage später, am 18. März, fordert Corona das erste Todesopfer in NÖ: Ein 76-Jähriger stirbt im Klinikum Melk, nachdem er positiv getestet wurde. Bis Jahresende sterben knapp 800 Niederösterreicher mit Covid-19-Infektion.

Die Pandemie trifft die Wirtschaft hart. Im April erreicht die Arbeitslosigkeit ein historisches Hoch. Mit 78.440 Menschen ohne Job ist die Zahl so hoch wie seit 1945 nicht mehr. Nach Ostern kommt es zu ersten Öffnungsschritten , im Sommer entspannt sich die Lage, ehe NÖ im Oktober in die zweite Welle schlittert. Neue Cluster in Pflegeheimen und nach einer Hochzeit sorgen für Aufsehen. Aus Spitälern kommen Hilferufe: Personelle wie materielle Ressourcen werden knapp, Operationen werden wieder verschoben, um ein Triage-System zu verhindern. Mitte November geht das Land ein zweites Mal in den Lockdown. Die Infektionszahlen sind um ein Vielfaches höher als im Frühjahr. Zum Höchststand werden am 6. November 1.128 Neuinfektionen gemeldet. Am 2. Dezember wird der traurige Rekord von 20 Covid-Todesfällen an einem Tag gemeldet.

Nach dem Lockdown nimmt im Dezember über ein Drittel der Bevölkerung an den Massentests teil. Begleitet wird die Adventzeit von einer Debatte über die Impfung und einen dritten Lockdown. Für viele ist der Impfstoff , mitentwickelt vom Klosterneuburger Unternehmen Polymun, Hoffnung auf Rückkehr zur Normalität im Jahr 2021.