"Der Amtstierarzt soll daheim bleiben". Dass Veterinär Mängel bei der Tierhaltung kritisierte, kam einem Bauern (83) nicht gelegen. Er bedrohte den Tierarzt.

Von Claudia Stöcklöcker. Erstellt am 27. Oktober 2014 (10:54)
NOEN, Foto: panbazil / Shutterstock.com
Die Anbindehaltung von Kälbern ist verboten.

„Falsch mach i gar nix, i bin tierliebend und meine Viecha will i behalten. Und a Waff’n hob i keine!“, entrüstet sich ein 83-jähriger Landwirt aus dem Bezirk Melk. Warum er vorm Richter sitzt, versteht er nicht.

Die Staatsanwältin erklärt es. „Versuchte Nötigung wird dem Angeklagten vorgeworfen. Dem Amtstierarzt, der Nachschau hielt, hat er erklärt, dass er einen Revolver in der Hosentasche habe und schießen werde, falls man ihm Tiere wegnehme“, sagt sie im Prozess am Landesgericht St. Pölten.

"Mitten in der Nacht ist er hereingestürmt" 

„Das ist eine Unterstellung!“, kontert darob der Bauer und meint: „Herr Richter, der Amtstierarzt soll daheim bleiben. Ich hab’ geschlafen, mitten in der Nacht ist er hereingestürmt wegen einer Bagatelle. Das ist Hausfriedensbruch! Und reden kann i in meinem Haus, was ich will. Dass i meine drei Kälber angehängt hab’, stimmt. Und im Schweinestall war’s finster, weil der Knecht des Fenster net gewaschen hat. Verbrecher bin i aber keiner!“

"Er hat herumgeschrien, gedroht..."

Verwahrlost waren die Tiere des Bauern nicht, nach dem Bundestierschutzgesetz gehalten aber auch nicht. „Er ist so uneinsichtig!“, meint der Amtstierarzt über den 83-Jährigen. „Um dreiviertel sechs am Abend war ich dort und habe Mängel bei der Haltung festgestellt. Die wollte er nicht anerkennen, ich hab’ erklärt, welche Folgen das haben wird. Er hat herumgeschrien, gedroht. Das beunruhigt mich, weil der Fall ja Fortsetzung finden wird. Er hat ja schon einmal zu einer Kollegin gesagt, dass er eine Waffe besäße. Ich möchte nur eine menschliche oder tierische Tragödie vermeiden.“

"Reden kann i in meinem Haus, was ich will!",
Der Landwirt zum Vorwurf, er habe den Tierarzt bedroht.

Was der Angeklagte dazu sagt? „I wollt’ nur schlafen, i hab’ niemand herbestellt!“, wettert er und hegt Verdacht: „Ich glaub’, die wollen schon meinen Hof! I will aber in meinem Haus bleiben, weil’s mir gehört. I kann ja nix dafür, dass i schon so alt geworden bin! “

Für den Unbelehrbaren setzt es drei Monate bedingt. Der Richter rät: „Lassen Sie den Amtstierarzt seinen Job machen!“ „Aber net bei der Nacht! Jetzt sperr i zua“, erklärt der Bauer kurzerhand. Das Urteil will er nicht annehmen.