Einen Tag lang Polizist sein. Die NÖN erhielt Einblicke in den Beruf des Exekutivbeamtens. Denn das Land braucht Polizisten.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 07. Juni 2017 (01:18)
Schon in der Grundausbildung wird auch bei alltäglichen Amtshandlungen wie einer Lenker- und Fahrzeugkontrolle der Eigensicherung hoher Stellenwert beigemessen, ebenso aber auch der Bürgernähe.
BMI/Pachauer

Mehr Polizisten braucht das Land. Und das dringend. Die Gründe liegen für Karl Hutter, zuständig für die Ausbildung im Innenministerium (BMI), klar auf der Hand: Bestehende und neue Kriminalitätsformen. Steigende globale Terrorgefahr. Anhaltende Migration nach Europa. In erster Linie aber eine derzeit ungünstige Altersstruktur der österreichischen Polizei. „In den nächsten zehn Jahren werden 16.000 Polizisten in den Ruhestand gehen“, weiß er. Mit 1. Dezember 2016 wurde die Polizeigrundausbildung neu ausgerichtet.

Mehr Trainingseinheiten und modulares Kompetenztraining unter dem erklärten Motto „Polizei.macht.Menschenrechte“ und Bürgernähe stehen dabei im Fokus. 2.100 Polizisten werden aktuell bundesweit ausgebildet. Offensive Werbung für den Polizeiberuf lautet die klare Linie des Innenministeriums, auch via Medien. Die NÖN durfte an einer Einführung in das Aufnahmeverfahren an der Sicherheitsakademie in der Marokkanergasse in Wien teilnehmen.

"Wir brauchen belastbare Menschen“

Doch um überhaupt in die „Kurz-Polizei-Grundausbildung“ für Journalisten starten zu dürfen, heißt es für die Teilnehmer, einen Geschicklichkeitsparcours in vorgeschriebener Zeit zu schaffen, gleich jenen echter Polizeibewerber. Die Stoppuhr läuft. Durch einen Kegelslalom, gilt es, einen Medizinball möglichst schnell durchzumanövrieren. Nun muss der Ball in eine Holzkiste geworfen werden. Weiter durch einen Holzgatter-Parcours laufen. Unter einer Stange durch und sogleich über einen Kasten springen und noch weitere Hindernisse bewältigen. Vielleicht muss ja in ähnlich herausfordernder Geländestruktur einmal ein Einbrecher verfolgt werden.

„Wir brauchen belastbare Menschen“, betont Hutter zur gestellten Aufgabe. Polizisten müssen Menschen retten. Auch Frauen schwere Männer. Rund zehn Meter soll rückwärts eine 70 Kilopuppe in wenigen Sekunden aus einem Gefahrenbereich geschaffen werden. „Hilfsbereitschaft, Einsatzbereitschaft und Zuverlässigkeit zählen zu den Kompetenzen, die ein Polizist aufweisen muss, genauso Teamfähigkeit und Kommunikationsfähigkeit“, erklärt Andreas Nagl, Leiter des Projekts „Kompetenztraining in der Polizeigrundausbildung“.

Feedbackbögen für den Polizeipraxisunterricht

Weiters bekommt die NÖN Einblick ins Schießtraining. „Ziel des modularen Kompetenztrainings besteht darin, dass die Polizisten Handlungssicherheit in allen polizeilichen Lagen haben“, fügt Thomas Schlesinger, Leiter des Zentrums für Grundausbildung, hinzu. Der Eigensicherung wird schon in der Grundausbildung höchster Stellenwert beigemessen. Konfliktlösungsfähigkeit und Eigenverantwortung werden im modularen Kompetenztraining laufend gefestigt. Die Reporter werden vor die Aufgabe gestellt, eine Lenker- und Fahrzeugkon-trolle durchzuführen. Stets im Visier von Polizeischülern, die alle Fehler auf einem Feedbackbogen eintragen, so wie es auch im realen Unterricht abläuft.

Zumindest bei einem Teil des Aufnahmeverfahrens sollte den geladenen Journalisten kein Lapsus passieren: der Rechtschreibung. „Diese ist derzeit einer der Hauptgründe für ein Scheitern am Aufnahmetest“, bedauert Schlesinger.