Ghostwriterin wollte nicht schreiben. Die 15.000 Euro Gage für ein Buch nahm eine Ghostwriterin aus Wien gerne an. Geschrieben hat sie dann allerdings weniger.

Von Claudia Stöcklöcker. Erstellt am 19. Juni 2018 (00:54)
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Das versprochene Manuskript kam nicht.

„15.000 Euro hab’ ich bezahlt, dafür bekommen habe ich gar nichts, nicht eine einzige Seite“, sagt ein St. Pöltner vorm Richter. Eine Wienerin beauftragte er, als Ghostwriterin für ihn ein Buch zu schreiben. Weil die 43-Jährige dafür kassiert, aber dem Auftraggeber kein Manuskript abgeliefert hat, sitzt sie wegen schweren Betrugs am Landesgericht vorm Richter.

Geständig ist sie nicht. „Er hat das halbe Buch von mir ausgehändigt bekommen. Dann wollte er nicht mehr, weil wir uns nicht einig waren über die Veröffentlichung bestimmter Inhalte“, beteuert sie Unschuld. Aufzeichnungen über Arbeitszeiten habe die Angeklagte keine, sagt sie. Ob sie Texte auf Datenträgern gespeichert hat? „Nein, und der Computer ist kaputt.“ Und sie sagt weiters: „Er wollte auch nicht, dass ich es per Mail schicke, er wollte nur ausgedrucktes Papier. Weil er ein sehr wichtiger Mann ist und ihn viele Leute kennen.“

"Ich bin keine Betrügerin"

Wovon die 43-Jährige lebt? „Ich coache seit zehn Jahren Menschen.“ „Kein durchschlagender Erfolg“, meint der Richter ob hoher ausstehender Schulden der Wienerin bei Krankenkasse und Finanzamt. Und er fragt: „Ist mein Rückschluss richtig, dass Ihr Unternehmen nicht floriert?“ Antwort bleibt die Angeklagte schuldig. Ihr letztes Wort vor Urteilsverkündung? „Ich bin keine Betrügerin!“

Für die Wienerin setzt es fünf Monate bedingt verhängte Strafe (nicht rechtskräftig). „Betrug verlangt nicht Absicht, jemanden zu schädigen. Es reicht, wenn man sich in Verpflichtung einlässt, der man nicht gewachsen ist“, so der Richter. Und zur Angeklagten sagt er: „Ich glaube dem Opfer und ich glaube, dass Sie die Realität ausblenden.“

Die 15.000 Euro will die 43-Jährige zurückzahlen: „Kann ja sein, dass ich morgen schon das große Geschäft mache.“