Manuel Scherscher auf Jagd nach Geldwäscher. Manuel Scherscher aus Greinsfurth leitet im Bundeskriminalamt die Abteilung Wirtschaftskriminalität.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 10. Juli 2018 (01:21)
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Wo Geld ist, sind meist Betrüger nicht weit. Im Bundeskriminalamt werden die „Top Acts“ betreut.
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„Wer stehen bleibt, ist überholt!“ Manuel Scherscher weiß, wie rasant sich Methoden der Betrüger verändern. Er leitet seit Dezember des Vorjahres die Abteilung Wirtschaftskriminalität im Bundeskriminalamt. Rund 100 Experten beschäftigen sich hier mit Straftaten im Wirtschaftsbereich.

„Der Bereich der Wirtschaftskriminalität besteht aus Betrugs-, Fälschungs- und Wirtschaftsdelikten im engeren Sinn. Wir reden hier von einer komplizierten Querschnittsmaterie. Hier arbeiten Juristen, Wirtschafter, Techniker und Kriminalpolizisten Seite an Seite“, erklärt der 38-jährige Niederösterreicher, der von Greinsfurth im Bezirk Amstetten zu seinem Dienstort in Wien pendelt. „Für jeden Job würde ich das nicht machen, für diesen ist mir aber die Anreise auf jeden Fall wert.“

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Vom „Posten-Kieberer“ zum Ermittler in Wirtschaftssachen: Manuel Scherscher (38).
Wohlmann

Wirtschaftskriminalität sei ein Ermittlungsbereich, der nicht nur besonderes Know-how, sondern auch eine hohe Affinität zur Materie erfordere. „Ich habe als Posten-Kieberer angefangen, da macht man alle Bereiche des Exekutivdienstes durch, aber Betrugsdelikte interessierten mich schon immer“, sagt Scherscher.

Neben dem Dienst absolvierte er das Jusstudium in Linz. Das öffnete ihm die Türen ins Innenministerium. Als dann die Stelle des Leiters der Abteilung für Wirtschaftskriminalität ausgeschrieben wurde, bewarb sich Scherscher sofort. Arbeit gibt es für ihn genug: 55.308 Wirtschaftsdelikte wurden bundesweit im Vorjahr angezeigt.

In Scherschers Abteilung ist auch das Büro für Finanzermittlungen samt Geldwäschemeldestelle angesiedelt. Im Bundeskriminalamt kümmert man sich um die wirklich großen Fische. Für diese „Top-Acts“, die Scherscher nicht kommentiert, werden regelmäßig eigene Sonderkommissionen eingerichtet.

Kryptowährungen als Spielwiese für Betrüger

Stark verändert hat sich die Wirtschaftskriminalität durch das Internet: Es bietet Betrügern vor allem Anonymität. „Früher war es ein Face-to-Face-Betrug, Opfer und Täter kannten sich auf irgendeine Weise. Mit dem Einzug des Internets in unsere Gesellschaft entwickelt sich das nun anders. Alles läuft nur mehr schriftlich und über den Bildschirm ab. Was man liest, muss man glauben.“ Die Ausforschung der Täter gestaltet sich hier meist sehr schwierig, internationale Vernetzung, vor allem mit Europol, ist unumgänglich.

Eine riesige neue Herausforderung für die Ermittler sind Kryptowährungen wie z.B. Bitcoin. „Mit Kryptowährung kann man etwa wunderbare Betrugs- oder Pyramidenspiele aufbauen.“

Kryptowährungen werden aber auch genutzt, um Geldwäsche zu betreiben. „Hier wird schmutziges Geld in Krypto angelegt, pseudonymisiert, über Finanzagenten verschoben und versteckt, über Mixer unnachvollziehbar gemacht und am anderen Ende der Welt über windige Geschäfte wieder in bares Geld umgetauscht“, erklärt Scherscher das schmutzige Spiel um schmutziges Geld.