Freiwillige helfen Straftätern. Der Verein Neustart unterstützt Straffällige bei der Resozialisierung. Auch mit Freiwilligen.

Von Eva Hinterer. Erstellt am 04. Juni 2019 (02:28)
Alexander Grohs (M.), Neustart-Leiter für Niederösterreich und das Burgenland, in einer (gestellten) Besprechung mit ehrenamtlichen Mitarbeitern.
Neustart

In Österreich kennt man den Verein Neustart als Organisation, die Straftäter bei der Bewährung unterstützt. Den Auftrag dazu bekommt Neustart vom Gericht. Aber nicht nur psychosozial geschulte Experten können in der Bewährungshilfe tätig werden, auch freiwillige Helfer werden gerne genommen.

„Neustart ist 1957 aus dem Ehrenamt entstanden“, erzählt Alexander Grohs, Neustart-Leiter für NÖ und das Burgenland. „Erst später hat dann ein Prozess der Professionalisierung stattgefunden. Wir wollen uns aber als Expertenorganisation nicht von der Zivilgesellschaft abkapseln“, erklärt Grohs, warum auch Zivilisten für die verantwortungsvolle Aufgabe, straffällig gewordenen Menschen bei der Resozialisierung zu helfen, gesucht werden.

„Freiwillige Bewährungshelfer arbeiten prinzipiell nur mit leichteren Fällen.“ Alexander Grohs, Neustart

175 ehrenamtliche Mitarbeiter hat Neustart derzeit im Bundesland, sie betreuen rund 640 Klienten. Alleine 2018 wurden rund 30 neue Ehrenamtliche bei Neustart aufgenommen. Sie helfen bei der Jobsuche, begleiten auf Behördenwegen, sind Ansprechpartner für Probleme.

Das Mindestalter für freiwillige Bewährungshelfer liegt bei 24 Jahren; Erfahrung im psychosozialen Bereich ist von Vorteil – aber nicht Bedingung. „Wir haben auch Freiwillige aus der Verwaltung oder sogar einen Schulwart, der sich kurz vor seiner Pensionierung gemeldet hat. Aber auch viele Lehrer und Therapeuten.“ Eine zweite Voraussetzung ist, dass die Freiwilligen mindestens drei Jahre lang bleiben, denn so lange dauert im Schnitt die Betreuung der Klienten. Und die soll möglichst stabil sein, sprich: der Betreuer soll nicht wechseln.

Freiwillige in der Bewährungshilfe arbeiten grundsätzlich mit leichteren Fällen, versichert Grohs. „Also Klienten, die etwa Eigentumsdelikte begangen haben oder eine leichte Körperverletzung. Klienten mit schweren Vergehen oder Sexualstraftäter werden ausschließlich von Hauptberuflichen betreut.“

"Viele sind es nicht gewohnt, Termine einzuhalten"

Bevor ein potenzieller Freiwilliger mit Klienten arbeiten darf, muss er sich bewerben, dann folgt eine Einschulung. Beim ersten Gespräch mit dem Klienten ist ein Teamleiter von Neustart dabei. Und es gibt regelmäßige Teambesprechungen.

Rund ein Drittel der Neustart-Klienten wird ehrenamtlich betreut, drei bis fünf Klienten betreut ein Freiwilliger im Schnitt.

Die Arbeit selbst umfasst ein bis zwei persönliche Treffen pro Monat. Freiwillige Helfer müssen telefonisch erreichbar sein, „viele nehmen sich dafür ein Prepaid-Handy“, sagt Grohs. Eine Rufbereitschaft gibt es für Freiwillige natürlich nicht, „am besten, man macht sich mit dem Klienten Zeitfenster aus, wo man erreichbar ist“, empfiehlt Grohs. Wichtig sei jedenfalls die „nachgehende Betreuung“, sprich: der Bewährungshelfer geht proaktiv auf den Klienten zu. „Denn viele sind es nicht gewohnt, Termine einzuhalten. Das muss man dann einfordern.“

Bewerbung an :

Alexander.Grohs@neustart.at