„Blas dir’s Hirn weg“. Eingeschüchtert / Einen Bauernhof sollen zwei Brüder einem 63-Jährigen abgepresst haben. Richterin verhängte gesiebte Luft.

Erstellt am 09. Dezember 2012 (18:54)
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Richterin Doris Wais-Pfeffer verhängte geschmalzene Urteile gegen die Brüder.NÖN
Von Claudia Stöcklöcker

„Wenn du deppert bist, sperr’ ich dich ins Knechtkammerl. Dort kannst verrecken! Ich hau’ dir den Schädel auseinander, dass das Hirn auf der Mauer klebt! Ich blas’ dir das Hirn mit der Pumpgun weg!“ Mit diesen Worten sollen zwei Brüder (41 und 51 Jahre) aus dem Bezirk
St. Pölten einen 63-jährigen Bauern bedacht haben, nachdem er ihnen den Hof übergeben hatte.

„Sie haben ihn gehalten  wie einen Knecht“

„Sie haben ihn gehalten wie einen Knecht“, sagt Staatsanwältin Michaela Obenaus im Prozess am Landesgericht St. Pölten. „Mit Alkohol gefügig gemacht, versprochen, sich um ihn zu kümmern. Beim Notar hat er sich gefragt: Was mach’ ich da? Ich verkauf’ einen Hof im Wert von  300.000 Euro um 10.000 Euro und 300 Euro Leibrente! Dann wurde gedroht, der Mann müsse ohne die Brüder um seine Existenz fürchten, es setzte einen Fußtritt, als der Notar den Raum verließ. Der Bauer unterschrieb den Vertrag.“

„Statt den Rauchfangkehrer zu bezahlen, wurde ein Mähwerk um 7.300 Euro gekauft, von seinem Sparbuch wurde abgehoben. Leibrente und Ausgedinge wurden nicht bezahlt. Aufmucken durfte er nicht. Die Angeklagten haben sich auf menschenunwürdige Weise bereichert“, setzt die Anklägerin fort. Erpressung, schwere Nötigung, Körperverletzung, gefährliche Drohung, Untreue und schweren Betrug wirft sie vor.

Eingeschüchtert habe der Altbauer gewirkt, sagen Sozialarbeiter der BH St. Pölten. Vor Polizisten habe er sich aus Angst verbarrikadiert. „Angst hatte er immer “, meint ein Zeuge.

„Staatsanwaltschaft auf falsche Fährte geführt“ 

Von Komplott spricht Verteidiger Anton Hintermeier. „Zehn Kilometer von St. Pölten entfernt beginnt der Dunkelsteinerwald. Der gehört nicht nur geografisch, sondern auch gesellschaftlich zum Waldviertel. Dorthin kommen zwei Arbeiterbuben aus St. Pölten und reißen sich den Hof unter den Nagel. Das hat viele Begehrlichkeiten ausgelöst. Die Staatsanwaltschaft wurde auf eine falsche Fährte geführt, und das Opfer hatte die Neigung, Leuten etwas vorzuwerfen“, meint er.

Richterin Doris Wais-Pfeffer fällt Schuldsprüche: 18 Monate teilbedingt, davon sechs Monate unbedingt, 24 Monate teilbedingt, davon acht Monate Gefängnis. Je 140.000 Euro Abschöpfung für Bereicherung müssen die Brüder an den Staat berappen. Gegen das Urteil legen sie sofort volle Berufung ein. Der Hof wurde mittlerweile beschlagnahmt.