Beben in Lombok: Touristen aus NÖ berichten. "Der ganze Supermarkt hat geschwankt, der Boden hat Wellen geschlagen." So hat ein Urlauber aus Niederösterreich das schwere Beben auf der indonesischen Insel Lombok miterlebt...

Von Redaktion, APA. Erstellt am 14. August 2018 (13:25)
Rund 156.000 sind nach dem Erdbeben auf Lombok obdachlos
APA (AFP)

Der Mann hatte gerade ein Getränk aus dem Geschäftsregal nehmen wollen, als er mit seiner Frau und seinem zehnjährigen Sohn ins Freie flüchten musste, erzählte Matthias Watzeck nach der Rückkehr nach Österreich.

"Als wir draußen waren, haben die Gebäude weiter geschwankt."

Die Familie hatte eine Woche auf der Nachbarinsel von Bali verbracht. "Wir sind vergangenes Jahr auch dort gewesen, es ist eine wunderschöne Gegend", sagte Watzeck im Gespräch mit der APA. Am Abend des 5. August waren die österreichischen Touristen in einem Lokal essen. Am Rückweg zum Hotel in Senggigi an der Westküste hielten sie zwei Kilometer von der Unterkunft entfernt noch bei dem Supermarkt an.

"Meine Frau und mein Sohn waren vorne bei Kassa, ich weiter hinten bei den Getränken", schilderte der 34-Jährige. Als sich um 19.45 Uhr Ortszeit ein Erdstoß der Stärke 6,9 mit Epizentrum im Norden der Insel ereignete, lief die Familie auf die Straße. "Als wir draußen waren, haben die Gebäude weiter geschwankt." Von einer Anhöhe fielen Felsen herunter. Er habe sich gesagt: "Das war ein Erdbeben", aber die Situation noch nicht ganz realisiert. Dann habe er gesehen, dass Häuser eingestürzt waren, Felsbrocken auf der Straße lagen und eine Frau aus einem Gebüsch gezogen wurde.

Die drei Niederösterreicher kehrten zu ihrem Hotel zurück, das leicht beschädigt war. Dort habe es geheißen: "Tsunami-Warnung!", erläuterte Watzeck. "Ein verletzter Hotel-Bediensteter wurde hinausgetragen." Angestellte brachten die Touristen auf eine Anhöhe, wo Urlauber und Einheimische im Freien am Boden übernachteten. "Uns wurden Decken gebracht", betonte der 34-Jährige. "Als die Tsunami-Warnung aufgehoben war, durften wir die nötigsten Sachen holen. Wir haben aber trotzdem auf der Anhöhe schlafen müssen."

Matthias Watzeck, seine Frau und der Sohn wurden zur Mitte ihres Urlaubs am Sonntagabend von dem Erdbeben überrascht. "Ich habe am nächsten Tag mit dem Botschafter in Jakarta gesprochen, der war sehr nett", erzählte der Niederösterreicher. Ihm wurde empfohlen im Hotel zu bleiben, dort sei es am sichersten. Ein früherer Heimflug vor der für Mittwoch geplanten Rückreise war nicht zu ergattern.

"Viele sind am nächsten Tag auf eigene Faust abgereist. Die anderen, die noch da waren, haben den Tag in der Hotelanlage verbracht", erzählte Watzeck. "An Urlaub war aber nicht mehr zu denken." Die Hotelgäste blieben untertags in der Nähe des Pools im Freien. Der Strand wurde gemieden, obwohl das Wasser im Pool nach Angaben von anderen Touristen bei dem Beben bis zu fünf Meter in die Höhe gespritzt war. Das Hotel-Restaurant wurde nach dem Beben gesperrt und eine Interimsküche im Freien errichtet. Der Hotelchef sei aus seinem Privathaus auch in die Anlage gezogen, habe mitgeholfen und sei für die verbliebenen Gäste immer da gewesen, betonte der 34-Jährige.

"Wir sind in ein Zimmer im Erdgeschoß gewechselt, um schnell hinauszukönnen. Die Koffer waren gepackt, und die Pässe immer am Mann", schilderte der Niederösterreicher die Situation in der darauffolgenden Nacht. "Wir haben Nachbeben der Stärke 5,4 und 5,6 mitbekommen und hatten ständige Angst vor weiteren Erdstößen." Die letzte Nacht vor der Abreise am Mittwoch verbrachte die Familie freiwillig auf der Wiese in der Hotelanlage, um ruhiger schlafen zu können. Sein zehnjähriger Sohn habe alles "gut überstanden", und sich um andere Menschen gesorgt, berichtete Watzeck.

Das schlimmste Erlebnis waren die Schilderungen eines Einheimischen, erzählte der Urlauber. Dieser hatte der Familie einen Ausflug zu den nahegelegenen Gili-Inseln organisiert. Nach dem Beben traf Watzeck den Mann wieder. Dessen Bruder war bei der Katastrophe gestorben, seine Mutter wurde schwer verletzt. Der Mann lebt nun mit seinen vier Kindern auf der Straße. "Ich habe seine Kontonummer und werde ihm Geld überweisen", sagte der Niederösterreicher. Der Einheimische wolle auf Bali ein neues Leben anfangen, die Tourismus-Wirtschaft auf Lombok sei von dem Beben schwer getroffen.

Auf der Fahrt zum Flughafen am vergangenen Mittwoch sah die Familie eingestürzte Häuser und "Moscheen, wo die Minarette hinuntergehangen sind", beschrieb Watzeck die Situation. "Es gab extrem viel Aufgebot an Militär, Rettungsmannschaften waren unterwegs Richtung Norden." Die Situation am Flughafen sei nicht chaotisch gewesen. "Wir haben gesehen, dass dort einige Leute schon länger campiert haben, aber es ist alles sehr professionell abgelaufen."

Bei dem stärksten Erdstoß der Bebenserie auf Lombok kamen am 5. August nach jüngsten Angaben mehr als 400 Menschen ums Leben. Zehntausende Menschen wurden obdachlos. Unter den zahlreichen Verletzten befanden sich auch zwei Österreicher mit leichten Blessuren. Bereits eine Woche vor dem Hauptbeben waren auf Lombok 17 Menschen bei einem Erdstoß der Stärke 6,4 ums Leben gekommen, Hunderten Wanderern war durch Geröll vorübergehend der Rückweg von einem Vulkan versperrt.