Bohuslav: "Jede Frau hat Recht auf gewaltfreies Leben". Anlässlich der Kampagne "16 Tage gegen Gewalt an Frauen" sprach Landesleiterin der Wir Niederösterreicherinnen-ÖVP Frauen und Landesrätin Petra Bohuslav gemeinsam mit Frauen-Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister, Gewaltschutzzentren Geschäftsführerin Michaela Egger und Polizei-Bezirkskommandantin Sonja Fiegl über Präventions- und Überzeugungsarbeit.

Von Sophie Seeböck. Erstellt am 09. Dezember 2019 (17:03)
Michaela Egger, Petra Bohuslav, Christiane Teschl-Hofmeiste und Sonja Fiegl im Gespräch.
Wir Niederösterreicherinnen

Das Gespräch anlässlich der Kampagne „16 Tage ohne Gewalt an Frauen“ im Gewaltschutzzentrum NÖ könnte nicht aktueller sein: Heute wurde der 14. Frauenmord des Jahres in Niederösterreich bekannt. Landesleiterin der Wir Niederösterreicherinnen-ÖVP Frauen und Landesrätin Petra Bohuslav betonte: „Wir dürfen nicht müde werden Zeichen gegen Gewalt an Frauen zu setzen, jede Frau hat ein Recht auf gewaltfreies Leben.“ Gewalt habe laut Bohuslav viele Facetten, die von bloßen Worten, über Taten und sogar bis zum Mord reichen können.

Durch die traurige Statistik rückt die bereits fokussierte Bedeutung von Präventionsarbeit und frühzeitiger Sensibilisierung der potenziellen Gewaltopfer, aber auch der gesamten Bevölkerung, noch stärkere in den Vordergrund. „Frauengewalt ist immer noch ein Tabuthema, das mit viel Angst und Scham der Betroffenen verbunden ist“, stellt Frauen-Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister im Gespräch fest. Rund um den Tag gegen Gewalt an Frauen wurden viele Zeichen gesetzt: ein Symposium zum Thema wurde abgehalten, das Landesklinikum St. Pölten wurde orange beleuchtet um die Teilnahmen an der internationalen Aktion „Orange the World“ zu symbolisieren und die Fahne „Gewalt frei leben“ vor dem Landhaus wurde gehisst. Ziel dahinter: Die Öffentlichkeit zu sensibilisieren und zu mehr Achtsamkeit zu erziehen.

Präventionsarbeit im Fokus

 „Wir setzen mit der Präventionsarbeit gegen Gewalt auch sehr stark in Schulen an“, erklärt Teschl-Hofmeister. „Wenn Burschen und Mädchen schon früh lernen, dass sie gleich sind und achtsam miteinander umgehen müssen, kann spätere Gewalt vorgebeugt werden.“ Die Präventionsarbeit trage laut ihr auch schon Früchte, Gewalt-Anzeigen würden zurückgehen. Die Landesrätin nahm auch Bezug auf das Gewaltschutzgesetz, in dem für sie gute Punkte enthalten seien. Vor allem der Bereich der Täter-Arbeit sei sehr wichtig.

Dem schloss sich auch Polizei-Bezirkskommandantin Sonja Fiegl an, die über ihre persönlichen Erfahrungen bei Einsätzen berichtete. Sie selbst leitete den Einsatz bei einem Frauenmord in Tulln. Fiegl, wie auch Teschl-Hofmeister, sind sich einig, dass viele gewalt-gefährdete Männer oft auch über ihr Problem Bescheid wüssten und auch offen für Hilfe seien. Auch nach Gewalttaten seien Coachings, Beratungen und Trainings oft sehr wichtig um neue Taten vorzubeugen. „Therapien sind für viele Betroffene zu teuer, wir müssen ihnen diese Hilfe ermöglichen“, so Fiegl. Trotzdem lobte sie: „Der Gewaltschutz in Niederösterreich ist ein gutes Netz, in dem viele Akteure wie Land, Polizei und Institutionen wie Frauenhäuser und Gewaltschutzzentren gut zusammen arbeiten“.

Überzeugungsarbeit: 120 zusätzliche Frauenparkplätze bis Ende 2019

Die Polizei-Bezirkskommandantin betonte aber auch, dass in diesem Bereich oft auch Überzeugungsarbeit notwendig sei. Vom Land Niederösterreich wurde gemeinsam mit der ÖBB vor kurzem festgelegt, dass bei neuen Park and Ride – Anlagen zukünftig acht bis zehn Prozent der Parkplätze als Frauenparkplätze zur Verfügung stehen werden. Diese markierten Parkplätze werden besser beleuchtet und liegen näher an Fluchtwegen und Ausgängen. „Bei den Verhandlungen um die Frauenparkplätze fühlten sich manche Männer benachteiligt“, erklärte Sonja Fiegl. „Unabhängig vom Geschlecht eines Menschen müssen wir als Gesellschaft Schwächere unterstützen.“

Die Geschäftsführerin des Gewaltschutzzentrums in St. Pölten Michaela Egger machte auf das umfassende Beratungsangebot aufmerksam. Betroffene werden von den Zentren angesprochen, wobei rund 90 Prozent erreicht und somit betreut werden können. Sie appellierte an die Gesellschaft wie auch die Medien: „Gewalt muss sichtbar werden. Wenn beispielsweise eine Kollegin ein blaues Auge hat, kann es ein Sportunfall, aber auch häusliche Gewalt gewesen sein. Wenn sie Betroffenen ohne Scheu entgegen kommen, werden sie sich auch öffnen.“ 

 

Zu Ihrer Sicherheit sollten Betroffene beachten:

  • verständigen Sie in einer für Sie gefährlichen Situation die Polizei
  • halten Sie das Telefon oder Handy bereit, um im Notfall 133 (112) wählen zu können
  • suchen Sie bei Verletzungen eine Ärztin/einen Arzt auf
  • fotografieren Sie eventuelle Verletzungen und dokumentieren Sie den Vorfall (und auch frühere Übergriffe)
  • notieren Sie Namen und Adressen von Zeugen

(Quelle: Gewaltschutzzentren Niederösterreich; Kontakt: gewaltschutzzentrum-noe.at)

Ansprache für Betroffene: NÖ Frauentelefon 0800 800 810