Die Fichte ringt ums Leben. Das trockene und warme Wetter hilft dem Schädling. Der Wald zahlt die Zeche.

Von Eva Hinterer. Erstellt am 08. Mai 2018 (02:21)
Petr Bonek/Shutterstock.com
Symbolbild

Die Fichte ist gestresst. Gestresst von zu trockenen Jahren, die dem empfindlichen Flachwurzler extrem zugesetzt haben. Jetzt kommt dazu noch eine Borkenkäferplage, „wie wir sie noch nie hatten“. Sagt Franz Fischer, Obmann des nö. Waldverbandes. Das aktuell warme und trockene Wetter ist für den Borkenkäfer optimal. Seit April fliegt der Schädling wieder – und vermehrt sich munter. Bis zu drei Generationen werden heuer befürchtet. Wenn man bedenkt, dass ein Weibchen wenigstens 40 Eier ablegt, dann kann man ermessen, was das für den Wald bedeutet.

Zwei Unterarten des Borkenkäfers – der Buchdrucker und der etwas kleinere Kupferstecher – sind „Spezialisten an der Fichte“, wie Gernot Hoch vom Institut für Waldschutz erklärt. Die Käfer bohren sich durch die Rinde und zerfressen das für den Baum lebenswichtige Bastgewebe. In Niederösterreich, wo die Fichte Hauptbaumart ist, finden die zwei bis acht Millimeter kleinen Käfer reiche Beute.

Ramharter
Franz Fischer, Obmann Waldverband NÖ: „So eine Situation hatten wir noch nie.“

„Fichten schützen sich mit dem Harzfluss, also dem Saftstrom, der im Inneren des Baumes zirkuliert“, erklärt Franz Fischer. Durch die seit 2015 anhaltende Trockenheit ist der Baum bereits geschwächt. „Und jetzt kämpft er ums Überleben.“ Ein gefundenes Fressen für den Borkenkäfer. Allein im Bezirk Waidhofen/Thaya hat es im Vorjahr nur 400 Millimeter Niederschlag gegeben. „Normal sind 600, das ist also um ein Drittel weniger“, rechnet Fischer vor.

Schwache und käferbefallene Bäume sind auch ökonomisch ein großer Verlust. In NÖ sind im Vorjahr 1,5 Millionen Festmeter Käferholz angefallen. Ein Festmeter frisches Fichtenholz bringt etwa 90 Euro netto, das Käferholz nur 50 Euro.

"Wir brauchen Leute auf der Fläche"

Die Natur könnte der Fichte derzeit nur mit kühleren Temperaturen und Regen helfen, sagt Waldexperte Gernot Hoch.

Nachdem Regen leider nicht angestellt werden kann, muss der prognostizierte Schaden durch großen Einsatz hintangehalten werden. „Wir brauchen Leute auf der Fläche, die die befallenen Bäume umschneiden und wegbringen“, sagt Franz Fischer. Denn Schadholz muss so schnell wie möglich aus dem Wald gebracht werden. Im zweiten Schritt sind derzeit aber auch die Kapazitäten der Transporteure und Sägewerke bereits an der Grenze, weiß Fischer.

In Zukunft werde man sich anpassen müssen und „statt Fichten eben Douglasien, Lärchen oder Tannen pflanzen“. Die sind resistenter, haben tiefere Wurzeln, sagt Fischer.

Der Waldexperte hat auch eine Bitte an ortsfremde Waldbesitzer: Sie mögen sich gerade jetzt um ihre Bäume kümmern, denn wenn man nicht rasch reagiert, kann sich die Borkenkäferplage zur Katastrophe auswachsen.

NÖN-Interview zum Thema

Artikel #92576341