E-Autos: Wie gefährlich sind sie?. Der Zugriff auf verunfallte oder kaputte Elektroautos birgt für die Feuerwehr Risken. Einsatzkräfte werden extra geschult.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 10. Dezember 2019 (02:58)
Am 9. November brannte in Graz dieses E-Auto auf dem Parkplatz eines Energieanbieters aus. Die Einsatzkräftewerden im Umgang mit havarierten E-Autos mittlerweile extra geschult..
APA/Urs Harnik

Sie gelten als sparsam und leise. Ihre Umweltfreundlichkeit ist aufgrund der nötigen Rohstoffe zur Herstellung der Akkus zwar umstritten, dennoch sind Elek-trofahrzeuge stark im Kommen.

„Grundsätzlich geht von einem elektrisch betriebenen Fahrzeug nicht mehr Gefahr aus als von einem fossil betriebenen!“ Christian Klejna, ÖAMTC

Bei Unfällen allerdings stellen sie die Einsatzkräfte vor neue Herausforderungen. Die NÖN hat sich umgehört, wo die Risikobereiche liegen und wie Einsatzkräfte sich dafür rüsten.

Schwierige Brandbekämpfung.

„Bei der Beschädigung des Akkugehäuses und des Akkus kann es zu einem Brand kommen. Die Brandbekämpfung von brennenden Hochvoltakkus gestaltet sich im verbauten Zustand sehr schwierig“, weiß Feuerwehrpressesprecher Franz Resperger. Die Akkus sind überdies sehr geschützt verbaut. „Dementsprechend schwierig ist es, Löschwasser in den erforderlichen Bereich zu bekommen“, erläutert Resperger. Laut Hersteller benötigt man rund 11.000 Liter Wasser, um einen Tesla zu löschen. „Man kann sagen, dass die propagierte hohe Wassermenge mehr Kühl- als Löschwirkung hat, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern“, meint Resperger. Doch auch bei Unfällen ohne Brand ist beim Einsatz hydraulischer Rettungsgeräten Vorsicht geboten: „Die Hochvoltleitungen sind meistens am Unterboden des Fahrzeuges verlegt. Zum Glück sind in diesem Bereich in der Regel keine Schneidearbeiten erforderlich.“

Christian Klejna, Instruktor für Elektromobilität und Mitarbeiter der Abteilung „Test und Sicherheit“ beim ÖAMTC, sagt, dass „von einem elektrisch betriebenen Fahrzeug grundsätzlich nicht mehr Gefahr ausgeht als von einem fossil betriebenen“. Moderne E-Fahrzeuge verfügen über Sicherheitssysteme, die Stromzufuhr sofort unterbrechen, wenn bei einer Kollision die Airbags ausgelöst werden.

Hochspannung als Problem.

Wenn aber durch den Crash der Akku beschädigt wird, ist Vorsicht geboten, warnt auch Klejna, denn „im defekten Akku kann noch Spannung im Zellenbereich sein“. Kurzschlüsse zwischen den einzelnen Zellen können gefährlich werden.

Christian Klejna, Instruktor für Elektromobilität, schult Einsatzkräfte.
ÖAMTC

Wenn die Stromzufuhr nicht durch den Crashsensor unterbrochen wird, kann dies durch Abstellen des Fahrzeugs mit Zündschlüssel oder Start/Stop-Taste, durch Entnahme der Sicherung oder durch das Abklemmen der Batterie erfolgen, erläutert Franz Schneeflock, Geschäftsführer der Brandverhütungsstelle NÖ. Warnender Nachsatz: „Ob der Bereich dann wirklich spannungsfrei ist, weiß man aber nur, wenn die Spannung gemessen wird. Und dafür braucht man geschultes Personal und spezielle Messgeräte.“

Die Gefahr eines Stromschlags oder eines Lichtbogens beim Hantieren an Hochvoltkabeln mit einer Gleichspannung bis zu 600 Volt sei durchaus gegeben, sagt Schneeflock. Als weiteres Problem sieht er, dass Brände von E-Autos nicht nachhaltig gelöscht werden können. „Eine Wiederentzündung ist noch Stunden bis Tage später möglich.“ Daher braucht man einen sicheren Abstellplatz oder das Wrack muss in einem mit Wasser gefüllten Container verwahrt werden. „Trotz äußerlich erfolgreichen Löschangriffs kann es beim Akku zu verspäteten Rückzündungen kommen und daraus ein Folgebrand resultieren“, bestätigt auch FF-Sprecher Resperger. Aus der Praxis weiß er auch, dass E-Autos oft nicht gleich als solche erkennbar sind, „auch die grüne Kennzeichentafel sieht man in der Nacht relativ schlecht“.

Studien fehlen.

Dennoch: Die Risiken für Einsatzkräfte und Ersthelfer bei einem defekten oder verunfallten E-Fahrzeug sind laut Experten überschaubar. Beim Kuratorium für Verkehrssicherheit weiß man um die Herausforderungen beim Umgang mit E-Fahrzeugen, Studien wurden dazu bislang aber noch nicht durchgeführt. Die deutsche Prüfgesellschaft DEKRA hat im Zuge von Crashtests die „Löschlanze“ getestet. Diese kann, falls Teile einer Antriebsbatterie in Brand geraten, direkt in das Akkugehäuse eingeschlagen werden. So wird der Brand innerhalb der Batterie gelöscht und eine weitere Ausbreitung des Feuers verhindert.

Die Feuerwehr empfiehlt Besitzern von E-Autos außerdem, nur Original-Ladegeräte und keine Nachbauten oder Selbstbauladeschaltungen zu verwenden. Herstellervorgaben sollten eingehalten, Ladegeräte fachmännisch installiert werden. Und: In jeder Garage sollte ein Rauchmelder installiert werden.

Schulungen.

Um das Risiko für die Einsatzkräfte im Umgang mit Elektrofahrzeugen gering zu halten, führt der ÖAMTC mit der Landesfeuerwehrschule Tulln Schulungen für Feuerwehr, Rettung und Polizei durch. Eine Broschüre zum Thema wurde von ÖAMTC, Feuerwehr und Land herausgebracht.