Flugrettung in der Nacht im Regelbetrieb. Nach einer zweijährigen Pilotphase wird der Nachtbetrieb der Flugrettung ab 1. Jänner 2019 in den Regelbetrieb übernommen. Das Land NÖ und der ÖAMTC haben entsprechende Verträge unterzeichnet.

Von Eva Hinterer. Erstellt am 29. November 2018 (11:54)
Am Foto: Reinhard Kraxner Geschäftsführer Christophorus Flugrettungsverein, Ulrike Königsberger-Ludwig, seit März zuständige Landesrätin für das Rettungswesen, Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Oliver Schmerold, ÖAMTC-Direktor.
NLK Pfeiffer

Ab 1. Jänner 2017 war es erstmals in Österreich möglich, dass ein Rettungshubschrauber auch in der Nacht abhebt. Und zwar vom Stützpunkt Krems-Gneixendorf, der neben Wiener Neustadt und Ybbsitz einer von drei Flugrettungs-Stützpunkten in NÖ ist. 553 Alarmierungen hat es seither gegeben, davon mündeten 450 in tatsächliche Einsätze. Ein Drittel davon wurde zwischen 21 Uhr und Mitternacht geflogen.

800.000 Euro pro Jahr

Jetzt haben Land NÖ und der ÖAMTC entsprechende Verträge unterzeichnet, mit denen die Nacht-Rettungsflüge von der Pilotphase in den Regelbetrieb übergehen. 800.000 Euro wird das jährlich kosten. Das Personal musste dafür natürlich aufgestockt werden: „Wir haben mit aktuell fünf Piloten, 15 Sanitätern und 26 Ärzten das Personal praktisch verdoppelt“, sagt Reinhard Kraxner, Geschäftsführer des Christophorus-Flugrettungsvereins.

 

Gabriele Golling, leitende Flugrettungsärztin am Notarzthubschrauber C2, ÖAMTC-Flugrettungs-Geschäftsführer Reinhard Kraxner, Landesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig, Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und ÖAMTC-Direktor Oliver Schmerold (v.l.n.r.), der leitende Flugrettungs-Sanitäter Robert Huber und Notarzt Christian Fohringer 
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Um die Sicherheit der Nachtretter zu gewährleisten, wurden an acht Punkten im Land Kameras montiert, die alle zehn Minuten Bilder liefern und den Piloten eine realistische Wetterdarstellung geben. „Wir wollten zu jeder Zeit und bei nahezu jedem Wetter Leben retten“, sagt ÖAMTC-Direktor Oliver Schmerold zur Nachtrettung.

Von der Alarmierung bis zum Eintreffen des Hubschraubers am Unfallort dauert es im Durchschnitt 24 Minuten. Notruf NÖ berichtet von einem internistischen Notfall im Bezirk Neunkirchen, der sich ebenfalls in der Nacht abgespielt hat: Der Patient konnte nicht nach Wiener Neustadt transportiert werden, weil die entsprechenden Notfallplätze dort ausgelastet waren. Nach 13 Minuten Flugzeit war der Patient in St. Pölten.

Großteils internistische Notfälle

Die weitaus meisten Notfälle sind übrigens internistischer Natur: Herzinfarkte und Schlaganfälle. Nur 15 Prozent der Einsätze gehen auf schwere Unfälle mit polytraumatischen Verletzungen zurück, die einen schnellen Transport mit dem Hubschrauber erfordern. Laut Notruf NÖ ist das normal: von den 800 bis 1.000 Einsätzen, die Notruf NÖ täglich disponiert, sind bei 12 bis 30 Unfälle die Ursache.

Als zweites Bundesland nach NÖ wird das Projekt Nachtflugrettung nun in der Steiermark anlaufen, auch Polen interessiert sich dafür und lässt bereits Retter in NÖ schulen.