Corona bringt auch neue Wege für den letzten Weg. Keine trostspendenden Umarmungen oder persönliche Beileidsbekundungen: Beerdigungen sind momentan nur im engsten Familienkreis und unter Einhaltung der Abstands-Regel möglich. Branchen-Vertreter rechnen deshalb mit Anstieg an Feuerbestattungen. Außerdem gibt es Live-Streams von Trauerfeiern.

Von Lisa Röhrer. Erstellt am 31. März 2020 (17:26)
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Von einem geliebten oder geschätzten Menschen Abschied zu nehmen, ist vielen ein wichtiges Bedürfnis. In Corona-Zeiten sind jedoch selbst die Rahmenbedingungen für den letzten Weg schwierig geworden.

Begräbnisse dürfen momentan laut Gesetz nur im "engsten Familienkreis" abgehalten werden. Geht man nach der Definition des Bundesverbandes für Bestatter der Wirtschaftskammer fallen darunter Ehepartner, Kinder, Enkerl oder Eltern. Empfohlen wird, dass maximal fünf Personen an Trauerfeiern teilnehmen und auch dort die von der Regierung beschlossenen Abstands-Regeln eingehalten werden. "Es ist natürlich extrem hart, jemandem zu sagen, dass nur fünf Menschen kommen dürfen", erzählt Rainer Wernhart, Sprecher des Bundesverbandes der Bestatter der Wirtschaftskammer, aus seiner Erfahrung. Natürlich sei es nachvollziehbar, dass man sich auch von Freunden verabschieden möchte, sagt Wernhart, der selbst als Bestatter tätig ist. Das ist momentan jedoch nicht möglich.

Und selbst für die engsten Angehörigen ist in dieser schwierigen Situation gerade sehr viel Disziplin gefordert. Die Mindestabstands-Regel von einem Meter gilt auch auf Trauerfeiern in kleinem Kreis für alle, die nicht im selben Haushalt leben. "Es gibt kein Händeschütteln oder Umarmen - das ist natürlich extrem schwer", versteht Wernhart. Schließlich sei es der vorrangige Sinn einer Trauerfeier, dass man gemeinsam Abschied nehme und sich gegenseitig unterstütze.

"Zu erwarten, dass Feuerbestattungen ansteigen"

Um auf genau diese wichtige Funktion einer Verabschiedung selbst in der Krise nicht verzichten zu müssen, setzen nun mehr Menschen auf Feuerbestattungen, ist der St. Pöltner Bestatter Jörg Bauer überzeugt. Zumindest in seinem Unternehmen sei bereits jetzt ein Anstieg spürbar, erzählt er im NÖN-Gespräch. Um von einem generellen Trend zu sprechen, ist es laut dem Sprecher des Bundesverbandes der Landesinnungen für Bestatter jedoch noch zu früh. "Es ist aber zu erwarten", meint auch Rainer Wernhart von der Wirtschaftskammer.

Hintergrund sind die unterschiedlichen Regeln, die bei Erd- und Feuerbestattungen gelten. Eine Erdbestattung muss innerhalb von zehn Tagen nach dem Tod erfolgen. Bei einer Urne ist das flexibler: Nach der Einäscherung könne man die Urne lagern, um, wenn wieder Normalität eingekehrt ist, eine Trauerfeier abhalten zu können und sich in größerem Kreis von dem Verstorbenen zu verabschieden.

Live-Streams von Beerdigungen, "um Gefühl zu geben, trotzdem dabei zu sein"

Um das selbst in Corona-Zeiten - und auch bei Erdbestattungen - zu ermöglichen, setzen zudem aktuell einige Bestatter auf Live-Streams von Trauerfeiern. "Damit wollen wir den Menschen trotz allem das Gefühl geben, dabei zu sein", erzählt der St. Pöltner Bestatter Bauer, der damit in der Vorwoche begonnen hat. Rechtlich ist das problemlos möglich, informiert Wernhart von der Wirtschaftskammer - wenn vorher alle notwendigen Einverständniserklärungen etwa für das Filmen eingeholt wurden.

Gab bereits Covid-19-Ansteckung bei einer Beerdigung in NÖ

So schwer ein Todesfall in einer ohnehin bereits belastenden Zeit auch sei, appelliert der Bundesverband der Bestatter an alle, die Regeln zum Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus einzuhalten. Die Gefahr dürfe nicht unterschätzt werden. In Niederösterreich habe es bereits eine Ansteckung mit Covid-19 bei einer Beerdigung gegeben. "Da hat jeder auch eine gewisse Verantwortung", sagt Wernhart. Und die Bestatter haben die schwierige Aufgabe, Angehörige und Trauernde darauf aufmerksam zu machen.