Ladage: "Antikörpertests sind kaum vergleichbar". Dennis Ladage hat an der Wachau-Studie mitgewirkt. Im NÖN-Gespräch spricht der Mediziner über die Problemfelder der Tests.

Von Michael Chudik. Erstellt am 24. März 2021 (05:45)
Symbolbild
Marijan Murat/dpa

Je mehr Menschen eine Infektion durchgemacht haben und je mehr Menschen geimpft sind, umso wichtiger wird der Immunitätsnachweis. Dieser wird mit Antikörpertests ermittelt. Die "Wachau-Studie"

hat die Immunität im Ort Weißenkirchen unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Antikörper waren teils sogar acht bis elf Monate nach Infektion nachweisbar. Doch wie vergleichbar sind die Ergebnisse mit anderen Studien?

Kaum, meint Professor Dennis Ladage, der an der Wachau-Studie mitgewirkt hat. „Eine Einheit von 50 beim Testkit des einen Herstellers hat nichts auf der Skala eines anderen Herstellers zu bedeuten. Das heißt, wir haben ein ganz großes Vergleichbarkeitsproblem“. So sind Antikörpertests aus Österreich nicht mit Tests aus Deutschland vergleichbar. Und auch innerhalb eines Landes gibt es Testkits verschiedener Hersteller. Deshalb „bedarf es einer großen Erfahrung des befundenden Labors bzw. der befundenden Mediziner, um das zu interpretieren“, erklärt Ladage.

In der Medizin unterscheidet man verschiedene Antikörperklassen. So gibt es Antikörper, die unmittelbar nach einer Infektion nachweisbar sind. „Die wirken sozusagen wie die erste Immunantwort, die erste Polizeiabwehr, die der Körper anzubieten hat. Diese Antikörper verschwinden aber relativ schnell wieder“. Es gibt aber auch mittellange Antikörper und Langzeitantikörper. Mit letzteren hat sich die Wachau-Studie hauptsächlich beschäftigt. Dabei handelt es sich um jene Antikörper, die nach einer durchgemachten Infektion „noch lange nachweisbar sind und die für eine Grundimmunität verantwortlich sind. Man spricht von den sogenannten IGG-Antikörper“.

Antikörpertest drei Monate lang gültig

Dass der Mensch Antikörper im Laufe der Zeit verliert, ist völlig normal. Ganz einfach weil diese „nicht da sind, um für immer zu bleiben“. Geht es nach der Regierung und den aktuell geltenden Maßnahmen rund um das Eintrittstesten (zum Beispiel beim Friseur), bleiben Antikörper zumindest drei Monate im Körper, nachdem sie nachgewiesen wurde. Denn: Beim Friseur darf man einen Antikörpertest vorweisen, der nicht älter als drei Monate ist. „Garantien dafür gibt es nicht. Aber in den allermeisten Fällen deuten unsere Daten darauf hin, dass, wenn ein messbarer Antikörperspiegel vorhanden ist, dieser auch über Monate nachweisbar ist“.

Kosten sind selbst zu zahlen

Bleibt nur noch die Frage zu beantworten, wie ein Antikörpertest durchgeführt wird. Wie auch bei den Antigen-Tests gibt es auch bei der Antikörperbestimmung Schnelltests. Dabei wird wie beim Blutzuckermessen ein Bluttropfen aus der Fingerkuppe entnommen und analysiert. „Die Frage ist auch, ob wir das wollen. Ein schnelles Ergebnis wollen wir doch, um eine akute Infektion zu entdecken“.

Empfohlen wird eine Blutabnahme durch das Gesundheitspersonal inklusive Testung im Labor. Das Ergebnis bekommt man dabei innerhalb weniger Tage. Die Kosten für solche Tests werden nicht vom Bund getragen, heißt es auf der Seite des Sozialministeriums. Ein genauer Preis ist nicht zu bestimmen, man sollte allerdings mit ca. 35 Euro rechnen.