NÖ Feuerwehren fühlen sich im Stich gelassen

Aktualisiert am 22. Mai 2021 | 08:00
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Gebrodelt hat es schon länger, jetzt ist der Kessel explodiert: Die Feuerwehren fühlen sich in der Corona-Krise von der Politik im Stich gelassen. Bei einer Blitz-Krisensitzung in St. Pölten wurde jetzt die weitere Vorgehensweise beschlossen.
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Obwohl sie von Anfang an vorderster Front gegen die Corona-Pandemie gekämpft haben, warten viele Männer und Frauen der freiwilligen Feuerwehren im ganzen Land immer noch auf Impfungen. Zu einer Priorisierung konnte sich das Gesundheitsministerium nicht durchringen und auch in den Impfstraßen schauen viele Feuerwehrleute – bis auf ein paar Ausnahmen durch direkte Absprachen zwischen den Verantwortlichen - durch die Finger, selbst wenn Impf-Reste übrig bleiben.

Landesfeuerwehr-Chef Dietmar Fahrafellner platzte deshalb jetzt der Kragen: „Es ist eine Frechheit, dass den Feuerwehren, die täglich im Einsatzgeschehen ihre Gesundheit riskieren, nicht einmal die übrig gebliebene Reste vergönnt sind. Hier spiegelt sich die Wertschätzung gegenüber einer Einsatzorganisation wider, die anscheinend zu selbstverständlich geworden ist.“

Das Fass zum Überlaufen brachten nun, dass Notruf NÖ und Wirtschaftskammer den Gastronomen und „körpernahen Dienstleistern“ mitteilte, dass die Feuerwehren die Test-Kits zustellen – obwohl sie im Vorfeld genau das ausgeschlossen hatten. Vereinbart worden war nur der einmalige Mittransport ohne zusätzlichen Transportaufwand der Testkits im Zuge der Belieferung der Test-Straßen. In vielen Bezirken mussten plötzlich doppelt so viele Pakete transportiert werden wie in den Wochen zuvor.

Testkits werden nur mehr bis Ende Juni an die Gemeinde-Teststraßen ausgeliefert

Bei einer Blitz-Krisensitzung des Landesfeuerwehrkommandos mit allen Bezirksfeuerwehrkommandanten sowie Vertretern des Landes in St. Pölten wurde nun die weitere Vorgehensweise besprochen. Beschlossen wurde dabei, dass die Zustellung der Coronatests für die Wirtschaftskammer mit sofortiger Wirkung eingestellt wird.

Die Auslieferung der Testkits an die Teststraßen in den Gemeinden wird nur mehr bis Ende Juni fortgeführt, ebenso wie die Kommissionierung der Verbrauchsmaterialen für die Teststraßen im Containerterminal des NÖ Landesfeuerwehrkommandos. Hier werden aber künftig auch Mitarbeiter des Landes zum Einsatz kommen. Für die bisher geleisteten Tätigkeiten im NÖ Landesfeuerwehrkommando und in den Feuerwehren wurde mit dem Land die Kostenübernahme für Treibstoff und Aufwand vereinbart.

„NÖ testet wäre ohne Feuerwehr nicht möglich.“Landeskommandant Dietmar Fahrafellner

Insgesamt verweist Fahrafellner darauf, dass die am 5. Dezember gestartete Aktion „NÖ testet“ ohne die Kraft der Feuerwehren nicht umsetzbar gewesen wäre: „Keine andere Organisation wäre in der Lage gewesen, diese enorme logistische und personelle Herausforderung zu stemmen.“

So gab der NÖ Landesfeuerwehrverband bislang aus dem Containerterminal in Tulln mehr als 6,3 Millionen Tests, 1,7 Millionen Handschuhe, 200.000 FFP2-Masken und 65.000 Schutzbekleidungen aus. Dazu kamen noch 25.000 Flaschen mit Desinfektionsmittel sowie 2,2 Millionen Kosmetiktücher. Um die dafür 15.863 Kartons zu bestücken, mussten bisher insgesamt 386 Mitarbeiter des NÖ Landesfeuerwehrverbandes ans Werk gehen, die dafür bis dato 1770 Stunden aufgewendet haben.

„Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die NÖ Feuerwehren seit 5. Dezember 2020 rund um die Uhr mit der Kommissionierung und Auslieferung der Coronatests beschäftigt sind“, betont Fahrafellner.