Team der Donau Uni checkt Studien für WHO. In Krems analysiert ein Team aus wissenschaftlichen Mitarbeitern und Studierenden wissenschaftliche Studien zum Corona-Virus für die Weltgesundheitsorganisation.

Von Christine Haiderer. Update am 05. Februar 2020 (10:53)
Rasante Verbreitung des Coronavirus erfordert globale Maßnahmen
APA (dpa)

Wir übertragen am Donnerstag ab 8.55 Uhr die Pressekonferenz "Coronavirus - Aktueller Stand und Maßnahmen" mit Gesundheitsminister Rudolf Anschober, Innenminister Karl Nehammer, Günther Ofner (Vorstand der Flughafen Wien AG), Irmgard Lechner (Landessanitätsdirektorin für Niederösterreich) live:

Am 31. Dezember wurden die ersten Fälle des Corona-Virus in China bekannt. Da das Virus noch so neu ist, haben sich seit dem aber viele Informationen verbreitet, von denen zwar manche stimmen, andere aber auch nicht. Daher brauche die Weltgesundheitsorganisation (WHO) so schnell wie möglich evidenzbasierte Informationen, erläutert Barbara Nußbaumer-Streit, die Leiterin des Cochrane-Österreich-Zentrums am Department für Evidenzbasierte Medizin und Evaluation an der Donau Uni Krems.

Die Donau-Universität
Foto: Suzy Stöckl

Dazu bat die WHO neben anderen auch Gerald Gartlehner, Leiter des Departments für Evidenzbasierte Medizin und Evaluation, ein Rapid Response Team zu bilden. Also ein Notfallteam, bestehend aus zehn wissenschaftlichen Mitarbeitern und Studierenden.

Ziel ist es, Studien und Berichte zu Fragen über das Corona-Virus zu sichten und diese innerhalb von 24 Stunden zu analysieren und zusammenzufassen.

Studien-Experten aus Krems

Gartlehner: „Bei neuartigen Erkrankungen und unsicherer Wissenslage blühen Verschwörungstheorien und Falschinformationen. Information für Entscheidungsträger und die Bevölkerung aufzubereiten und zu prüfen ist das Spezialgebiet des Departments und unsere jahrelange Erfahrung macht uns zu Experten auf diesem Gebiet.“

Cochrane Österreich hat große Erfahrung mit der Analyse von wissenschaftlichen Studien. Im Rahmen der Informationszentren beispielsweise können Ärzte und Pflegende der NÖ Landeskliniken Fragen stellen. Zum Beispiel, ob eine neue Operationsmethode bei einer bestimmten Patientengruppe hilft. Das Team analysiert dann weltweit Studien dazu und gibt eine kompakte Antwort, basierend auf dem aktuellen Wissensstand weltweit.

Ein anderes Projekt ist Medizin transparent. Hier können Leser, wenn etwa in einer Zeitung gestanden ist, dass es ein neues Wundermittel gegen Krebs gibt, nachfragen, und das Team sieht sich hierzu an, ob es dafür wissenschaftliche Beweise gibt.

Erste Anfrage vermutlich zum Thema Quarantäne

Seit 2017, erzählt Nußbaumer-Streit, arbeite man als Collaborating Center mit der Weltgesundheitsorganisation zusammen. Bisher aber nur bei langfristigen Fragestellung. Zum Beispiel bei der Entwicklung von Leitlinien oder der Organisation von Workshops. Das ändert sich nun. „Es ist das erste Mal, dass wir in einer akuten Situation zusammenarbeiten“, so Nußbaumer-Streit.

Sie rechnet damit, dass die erste Anfrage am Wochenende kommen wird. Und: „Bei der ersten Anfrage wird es um Quarantäne gehen“, glaubt sie. Weil die WHO dazu Leitlinien und Empfehlungen entwickeln möchte. Wo kann Quarantäne am besten eingesetzt werden? Wie muss diese aussehen? Welche Fragestellung es genau sein wird, weiß man noch nicht.

austria.cochrane.org