Vetmed testet für Niederösterreich. 270 Nachweis-Tests auf das Coronavirus SARS-CoV-2 werden seit heute pro Werktag an der Veterinärmedizinischen Universität Wien im Auftrag des Landes Niederösterreich durchgeführt. Dr. Michael Hess gibt einen Einblick in die Arbeit seines Teams.

Von Anita Kiefer. Erstellt am 06. April 2020 (17:23)
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Bei den genannten PCR-Tests, die dem Nachweis des Coronavirus SARS-CoV-2 dienen, handelt es sich um Tests, die zweistufig durchgeführt werden, erklärt Dr. Michael Hess, Koordinator des akkreditierten Testlabors, im Telefonat mit der NÖN. Im aufwändigen Testverfahren wird zuerst die Nukleinsäure aus der Probe extrahiert, danach kommt es zum tatsächlichen Nachweisverfahren des Erregers.

Univ.-Prof. Dr. Michael Hess, Koordinator des akkreditierten Testlabors und Sprecher des Departments für öffentliches Gesundheitswesen in der Veterinärmedizin an der Vetmeduni Vienna.
Michael Bernkopf_Vetmeduni Vienna

„Diese beiden Stufen werden von unterschiedlichen Leuten durchgeführt, die nahezu keinen Kontakt zueinander haben. Deswegen gibt es hier unterschiedliche Teams“, erklärt Hess, der auch Sprecher des Departments für öffentliches Gesundheitswesen in der Veterinärmedizin an der Vetmeduni Vienna ist. Sein Team, das für die Tests zuständig ist, umfasst zehn Personen. Um Kapazitäten zu schaffen, wurden aktuelle Forschungsprojekte nach hinten verschoben.

Proben kommen anonymisiert in Datenbank

Übermittelt werden die Testergebnisse über ein eigenes, webbasiertes Datenbanksystem. „Die Proben werden mit einem Barcode eingescannt und sind selbstverständlich anonymisiert. Wir haben keine Hintergründe oder Detailinformationen zu den Proben. Das Land Niederösterreich kann, sobald der Barcode eingescannt ist, die Probe weiterverfolgen. Ist der Test fertig, werden die jeweiligen Proben von einigen wenigen autorisierten Personen freigegeben und das Land kann auf die Ergebnisse zugreifen“, so der Experte. Diese Datenbank sei etabliert: „Wir haben dieses System bereits seit fünf Jahren im Einsatz.“ In den vergangenen zehn Tagen sei es für den Einsatz im Auftrag des Landes Niederösterreich vorbereitet worden.

Aufstockung der Testungen möglich

Im Einsatz ist dieses System an der Vetmed deswegen, weil in der Regel täglich derartige Testungen auch für den Nachweis von Viren in Geflügel und Fischen durchgeführt werden. „Für uns ist das nichts Besonderes.“ Ob das Virus jetzt Mensch oder Tier befallen hat, ist für die Durchführung des Tests unerheblich. Die Möglichkeit eines sogenannten „diagnostischen Fensters“, also dass Erkrankte negativ getestet werden, bestehe übrigens, wie Hess erklärt. „Kein Test ist zu 100 Prozent sicher“, betont der Experte. Die Validität, also Gültigkeit, eines Tests hänge von sehr vielen verschiedenen Faktoren ab – unter anderem, wie viele Zellen am Tupfer vorhanden sind. Auch das weise der Test aber aus. Für die PCR-Tests sind drei Maschinen an der Vetmed im Einsatz. Eine kann 90 Proben und sechs Kontrollproben parallel untersuchen. „Das Gerät, das die PCR macht, liest automatisch in die Datenbank ein. Das ist wichtig: Der Mensch macht ja die Fehler, nicht die Maschine, wenn sie richtig programmiert ist.“ Für die Durchführung der Tests brauche es für beide Stufen jeweils verschiedene Substanzen, sogenannte Test- bzw. Extraktionskits. Die Testkits seien bis Mai an der Vetmed vorrätig, die Extraktionskits bis Ende April. „Die entsprechenden Bestellungen laufen aber bereits“, sagt Hess. Diese Testmaterialien sind aber natürlich weltweit sehr gefragt. Die 270 Tests pro Tag könnten auch ausgeweitet werden, sagt Hess gefragt nach den entsprechenden Kapazitäten an der Vetmed – bis zu 500 pro Werktag könnten durchgeführt werden.

Eliminierung des Virus „illusorisch“

Das Virus selbst werde uns jedenfalls noch „lange begleiten“, ist Hess sicher – die Schwierigkeit sei, wie eine kontrollierte Durchseuchung der Bevölkerung gelingen kann. Das maximale Separieren der Menschen halte er für „sicher gut. Die Frage ist nur: Wie lange macht man das?“ Ein Schlüssel werde hier eine Impfung sein. Eine vollständige Eradikation, also die Eliminierung des Virus aus der menschlichen Population, hält er jedenfalls für „illusorisch“.