Stärkere Grippe-Welle droht

Ärzte erwarten wieder mehr Influenza-Kranke. In Niederösterreich gibt es kein kostenloses Grippe-Impfprogramm.

Lisa Röhrer
Lisa Röhrer Erstellt am 29. September 2021 | 05:41
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Schnupfen, Fieber, Schüttelfrost: Ärzte rechnen damit, dass die Grippe ab Dezember wiederzahlreiche Menschen ans Bett fesseln wird.
Foto: Shutterstock.com/Mike Fouque

Endlos schienen 2020 die Vormerklisten der Apotheken für die Grippeimpfung. Experten hatten diese aufgrund der Corona-Krise besonders empfohlen. Damit sich alle, die auf den Listen standen, impfen lassen konnten, fehlte in NÖ jedoch der Impfstoff. Nun steht die Grippesaison – und damit auch die Impfung – wieder vor der Türe. Was erwarten NÖ-Apotheker und -Ärzte heuer?

Noch nicht absehbar ist, welcher Influenza-Virusstamm in diesem Jahr vorherrschend sein wird und wie infektiös dieser sein wird. Experten warnten jedoch bereits davor, dass die Grippewelle diesmal besonders stark ausfallen und so das durch Corona ohnehin angespannte Gesundheitswesen noch weiter belasten könnte.

Auch für Max Wudy, Hausarzt in Bad Vöslau und Kurienobmann-Stellvertreter der NÖ-Ärztekammer, ist das plausibel: „2021/22 wird es wahrscheinlich weniger kontaktreduzierende Maßnahmen geben, wodurch es wieder zu mehr Grippefällen kommen kann.“ Das wäre eine gänzlich andere Situation als im Vorjahr: Da fiel die Influenza-Welle in NÖ schließlich aus. Während in „normalen“ Jahren im Schnitt fünf bis 15 Prozent der Bevölkerung an Grippe erkranken, wurde im vergangenen Jahr in NÖ kein einziger Fall registriert.

Doppelinfektionen nicht auszuschließen

Laut Wudy sei auch anzunehmen, dass im kommenden Winter Influenzaviren und SARS-CoV-2 gleichzeitig vorhanden sein werden. Doppelinfektionen bzw. aufeinanderfolgende Infektionen seien nicht auszuschließen. Es bestehe außerdem die Gefahr, dass die Influenza das Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf erhöhe – und umgekehrt. Das Gesundheitsministerium empfiehlt deshalb auch heuer dezidiert die Grippeimpfung – speziell für chronisch Kranke, Kinder und ältere Menschen.

Eine Gratis-Impfaktion wie in Wien wird es in NÖ aber nicht geben. Die Influenza-Impfung wird nur im Kinderimpfprogramm wieder kostenlos sein. Neben ihnen bekommen nur Pflegeheimbewohner die Spritze gratis. „Darüber hinaus hat sich das Land NÖ für eine bundesweite Lösung für etwaige weiterführende Aktionen eingesetzt. Leider hat es keine Einigung mit der ÖGK und dem Ministerium gegeben“, sagt Gesundheitslandesrätin Ulrike Königsberger-Ludwig (SPÖ).

Apotheker rechnen mit genügend Impfstoff

Die gute Nachricht: Apotheker und Ärzte sind sich einig in der Vermutung, dass es heuer zu keiner Impfstoffknappheit kommen werde. Für die Impfstoffbestellung sind die Hausärzte und Apotheken selbst verantwortlich.

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Peter Gonda: „Zu Beginn der Grippesaison wird genügend Impfstoff vorhanden sein.“
Carina Walter

„Vereinzelt gibt es die Impfstoffe schon jetzt. Rechtzeitig zu Beginn der Grippesaison wird aller Voraussicht nach genügend Impfstoff vorhanden sein“, sagt NÖ-Apothekerkammer-Präsident Peter Gonda. In einigen Apotheken werde es auch wieder Vormerklisten geben. Wichtig zu wissen sei jedoch, dass es momentan noch nicht sinnvoll ist, sich gegen Grippe impfen zu lassen, weil es noch zu früh ist, erklärt Gonda.

Sinnvoll sei das ab Ende Oktober. Verabreichen werden die Impfungen etwa Hausärzten. Eine Prognose, wie hoch die Impfquote ausfallen wird, traut sich der Apotheker nicht zu. „Es ist nicht abschätzbar, wie stark der Fokus auf Corona liegt. Die Frage ist: Wie weit hat die Bevölkerung die Grippeimpfung auf dem Radar?“