„Dachten, bei uns ist noch die heile Welt“. Tagung / Vertreter von Kirche, Polizei und Politik diskutierten in St. Pölten die Ursachen von Vandalismus gegen kirchliche Kulturgüter.

Erstellt am 12. Mai 2014 (10:11)
NOEN, Riccabona
Tagungsleiter Friedrich Schipper, Johann Heuras, 2. Präsident des NÖ Landtages. Psychoanalytikerin Rotraud Perner, Landespolizeidirektor Franz Prucher und der bischöfliche Medienreferent Eduard Habsburg-Lothringen.

Ende März war endlich Schluss: Die Polizei konnte nach 130 Straftaten elf junge Männer schnappen, die Friedhöfe, Kapellen und Wegkreuze in den Bezirken St. Pölten, Melk und Tulln schwer beschädigt hatte. Im April gab es in Wien Beschädigungen im Stephansdom und an der Karlskirche. Andere Täter, gleiches Ziel: kirchliche Kulturgüter.

Daher machte sich im Bildungshaus St. Hippolyt in St. Pölten eine Runde Experten Gedanken darüber, warum sich so viel Aggression ausgerechnet gegen Einrichtungen wie Kirchen und Friedhöfe richtet.

Wer ist der Feind, dem etwas zerstört werden soll?

„Wir sollten uns darüber Gedanken machen, was es über eine Gesellschaft aussagt, wenn jugendliche Mitglieder ihre Zerstörungslust ausgerechnet an friedlichen, religiösen Orten und an Friedhöfen und Toten auslassen“, regt Diözesanbischof Klaus Küng an. Jeder müsse sich fragen, wie er dazu beitragen könne, „dass so etwas Selbstverständliches wie die Totenruhe auch in Zukunft mehr respektiert wird“.

Landtagspräsident Johann Heuras warf die Frage nach dem Feindbild auf. Wer ist der Feind, dem etwas zerstört werden soll: Das System? Die Kirche? Die Kultur? Man müsse sich fragen, von wem sich die Zerstörer im Stich gelassen fühlten.

„Geist der Handreichung“

Bei den eingangs erwähnten Vandalismus-Akten in NÖ wurde auch eine Waldkapelle in der Pfarre Pyhra schwer beschädigt. Anna Moderbacher, die die Kapelle betreut: „Wir hatten gedacht, bei uns sei noch die heile Welt.“ Ein Stückchen davon ist wieder zurückgekommen, denn einer der Jugendlichen hat sich am Wiederaufbau der beliebten Kapelle beteiligt. Wie überhaupt bei der Veranstaltung oft vom „Geist der Handreichung“ die Rede war.

In der Gesellschaft sei es „cool“ geworden, etwas zu zerstören, was anderen wertvoll sei, diagnostiziert Psychoanalytikerin Rotraud Perner. Religion zu verspotten führe genau in die Richtung, Menschen abzuwerten. Daher müsse man einerseits klare Grenzen ziehen und andererseits aufpassen auf das, was uns wertvoll ist.