Der verräterische Mülleimer. Ob auf Erlagscheinen, am Computer oder Smartphone: Unsere Daten sind überall zu finden. Wer achtlos bei der Entsorgung umgeht, bietet Kriminellen Möglichkeiten zum Missbrauch.

Von Gila Wohlmann. Erstellt am 28. Februar 2018 (11:45)
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Durch die steigende Verwendung von elektronischen Geräten wächst der Elektroschrott. Alte Rechner und Smartphones haben aber viele Daten gespeichert. Nur wer diese komplett zerstört, kann sich sicher sein, dass keine Restinfos irgendwo auf Festplatten versteckt sind.

Eigentlich sollte man mit seinen persönlichen Daten ja sensibel umgehen. Gerade die ältere Generation ist da oft sogar im Vergleich zur Jugend viel vorsichtiger, um nicht zu sagen, vernünftiger. Dennoch kommt es immer wieder zu Vorfällen von Datenklau, weil heikle Informationen mit dem Müll achtlos entsorgt werden.

„Laufend hören und lesen wir von Datenschutzbestimmungen, die verhindern sollen, dass sensible, persönliche Daten nicht in falsche Hände gelangen, aber oft ist man bei sich selbst dann unvorsichtig“, weiß Andreas Bandion, Leiter der Kriminalprävention im Landeskriminalamt Niederösterreich und zieht den Vergleich zur analogen Welt: „Während wir sicher nicht auf die Idee kommen würden, persönliche Urkunden oder Dokumente über das Altpapier zu entsorgen, gehen wir schon viel leichtfertiger mit alten Versicherungspolizzen, Kontoauszügen oder Erlagscheinabschnitten um.“

„Wirft man sensible Papiere in den Altpapiercontainer, sind diese für jedermann zugänglich." Andreas Bandion, Kriminalpräventionsbeamter

Während sich früher in jedem Haushalt eine Feuerstelle befand, über die sensible Papiere vernichtet werden konnten, besteht diese Möglichkeit heutzutage weit seltener. „Werfe ich Unterlagen heute in den Altpapiercontainer vor dem Haus, so sind sie vorerst zwar entsorgt, vernichtet werden sie aber irgendwann. Bis dahin sind sie für jedermann, wenn auch unbefugt, zugänglich“, gibt er zu bedenken, dass jeder in den Mülleimer auf offener Straße greifen kann oder auch in Wohnhausanlagen befindlichen Müllräumen jedem die Tonnen zugänglich sind.

Doch was ist so gefährlich, wenn man einen alten Erlagschein wegschmeißt? „Die Daten geben mitunter Auskunft darüber, wie es um meine finanzielle Lage bestellt ist, wie hoch der Versicherungswert meines Haushaltes ist und letztlich, ob sich eventuell ein Einbruch lohnt. Unter Umständen ermöglichen diese den Kriminellen Zugriff auf das Girokonto“, warnt er. Tipp der Kriminalprävention: Bevor derartige Papiere im Altpapier landen, sie in einen Aktenvernichter geben, um die schriftlich festgehaltenen Infos unleserlich zu machen!

„Nur Daten von der Festplatte löschen ist zu wenig. Jemand, der es versteht, kann diese wieder herstellen.“ Selbiger

Und wie schaut es in der digitalen Welt aus? Diese ist sehr schnelllebig – kauft man einen Computer oder andere elektronische Datenträger, sind sie auch schon wieder veraltet. Man wechselt relativ häufig Produkte wie Laptops, Handys, Festplatten, Navis oder USB-Sticks. Vor dem Entsorgen löschen die meisten zwar ihre Daten oder Fotos, werfen die Gegenstände selbst aber in den Elektronikmüll. Wirklich verschwunden sind die Informationen aber oft nicht.

„Nur Daten von der Festplatte löschen, ist zu wenig. Jemand, der es versteht, kann diese wieder herstellen. Programme zur Vernichtung solcher Dateien, wie sie beispielsweise im militärischen Bereich verwendet werden, sind für den privaten Bereich aber meist zu teuer“, sagt Bandion. Gefährlich ist die Elektroschrottentsorgung vor allem, wenn man diesen für Sperrmüllsammler auf offener Straße deponiert; auch am Bauhof kann man nicht davor gefeit sein, dass sich jemand ein Stück Elektroschrott mitnimmt und darauf nach Daten sucht. Einzige Chance, die man hat, um hier wirklich sicher zu gehen, weiß Bandion: „Den Datenträger manuell zerstören, bevor er weggeworfen wird.“