Die Fälscher. Bande ertappt / Über 300.000 Euro Falschgeld stellte die Polizei in der Vorwoche sicher. Ein Zwischenlager betrieben die Fälscher im Bezirk Korneuburg. So große Summen an Falschgeld sind in Österreich selten. Von Gila Wohlmann

Erstellt am 23. Juni 2013 (14:50)
NOEN, dpa/Arne Dedert

Von Gila Wohlmann

Operation „Paradise City“ – das war der blumige Name einer Großaktion der Polizei. Im Visier: Geldfälscher. Deren Paradies ist nun die Justizanstalt: Zwölf Personen, drei Österreicher und neun Serben, davon drei Frauen und ein 15-Jähriger, sitzen hinter Gittern. Bei ihnen wurde Falschgeld im Wert von 366.610 Euro sichergestellt. Es gab dazu am Dienstag der Vorwoche 14 Hausdurchsuchungen, eine im Bezirk Korneuburg. Hier wurde ein Zwischenlager betrieben. Die Ermittlungen liefen seit Monaten: 220 Polizeibeamte, darunter Vertreter von Europol und Interpol, waren beteiligt.

Die Blüten brachte die Bande gezielt dort in Umlauf, wo Leute im Stress waren und keine Zeit zum Überprüfen hatten. „Das ist das erste Mal, dass in Österreich eine professionelle Geldfälscher-Werkstätte entdeckt wurde. Hier war die Zusammenarbeit mit der Nationalbank sehr eng“, sagt dazu Bundeskriminalamt-Sprecherin Silvia Strasser. Das Falschgeldaufkommen in Österreich ist laut Nationalbank nicht sehr hoch. Genau 6.327 Fälschungen aus dem Umlauf wurden im Vorjahr sichergestellt, Schaden: 465.180 Euro.

Neben Blüten auch  Ausweise und Vignetten
Die nun gefasste Profibande hat aber nicht nur Blüten hergestellt: Zuvor war sie in erster Linie mit Dokumentenfälschung beschäftigt – italienische, slowenische und bulgarische Führerscheine sowie andere Dokumente – vom Behindertenausweis bis zur Vignette – wurden produziert und verkauft. Die, die oft als Erste mit einem gefälschten Führerschein oder Fahrzeugpapieren konfrontiert werden, sind die Beamten der Verkehrspolizei. Ferdinand Zuser, Leiter der Landesverkehrsabteilung (LVA), bestätigt: „Wir seitens der LVA haben in NÖ jährlich fünf bis zehn Aufgriffe, aber es sind natürlich mehr, weil man ja auch noch die Kon trollen der Stadt- und Bezirkspolizeikommanden hinzurechnen muss“. Erst kürzlich stellten LVA-Beamte beim Verkehrskontrollpunkt auf der A1 bei Haag (Bezirk Amstetten) einen gefälschten Führerschein sicher. „Der Fahrer hat sich einfach aus dem Internet die fehlenden Führerscheingruppen ausgedruckt und in seinen Führerschein reingeklebt, damit er die Lkw-Lenkerberechtigung hat“, erinnert sich Zuser.

Untersucht werden diese Dokumente in der kriminalpolizeilichen Untersuchungsstelle (KPU) des Landeskriminalamts. In den letzten Jahren setzt die Exekutive im Kampf gegen gefälschte Dokumente bundesweit intensiv auf Schwerpunktaktion der Soko Ost und Ausgleichsmaßnahmen (AGM)-Streifen. Seit Einführung der Soko Ost mit 1. Juli 2009 wurden 123 Personen wegen gefälschter und verfälschter Dokumente festgenommen und 391 Dokumente sichergestellt. In NÖ waren es bis dato 30 Festnahmen und 55 Sicherstellungen. Und das nur bei Einsätzen der Soko Ost. Deren Sprecher Michael Takacs: „Meistens handelt es sich um Reisedokumente, Fahrzeugpapiere und Führerscheine. Auch gefälschte Kennzeichentafeln kommen vor, sie fallen auch in die Kategorie ,Dokumente‘.“