Die Retter unter Wasser

Erstellt am 21. Januar 2022 | 05:36
Lesezeit: 5 Min
Sie holen Menschen aus dem Wasser und bergen Autos, Tresore und sogar Waffen – die Spezialisten vom niederösterreichischen Tauchdienst.
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2.000 Stunden dauert die Ausbildung der Rettungstaucher des Landesfeuerwehrverbandes. Sie ist eine der schwierigsten im Feuerwehrdienst, drei bis vier Jahre brauchen die Anwärter dafür. Psychische Belastbarkeit ist eine Voraussetzung, denn die Einsätze, zu denen die derzeit insgesamt 85 Taucher der Feuerwehr-Spezialeinheit am häufigsten gerufen werden, sind Leichenbergungen. Ungefähr zehn Mal pro Jahr kommt das vor.

Aber nicht immer ist es so tragisch: Am 24. Dezember 2013 wurde Christian Pfeiffer von seinem Kommandanten zu einem Einsatz bei der Tullner Rosenbrücke beordert. Zeugen hatten eine Waffe im Wasser gesichtet. Also packte Pfeiffer vor der Christmette seine Tauchausrüstung und holte die Pumpgun vom Grund der Donau. Derselbe Christian Pfeiffer ist übrigens seit vergangenem Freitag, 13. Jänner, Kommandant des Tauchdienstes.

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Christian Pfeiffer, Kommandant des Tauchdienstes der FF NÖ.
Foto: LFKDO/Matthias Fischer, Tauchdienst

Einen Tag nach seiner Beförderung trifft er sich mit der NÖN zum Gespräch, mit dabei ist sein Verwalter Richard Berger. Der die Anforderungen an die mentale Stärke gleich an einem Einsatz illustriert, bei dem er die Leiche eines zweieinhalb-jährigen Mädchens bergen musste. „Meine Tochter war damals genau so alt.“ Aus diesem Grund, sagt Berger, werden die Kollegen vor einer Personenbergung immer gefragt, ob sie einsatzbereit sind. Leichenbergungen müssen übrigens genauestens dokumentiert werden und dürfen erst nach einem „Go“ der Polizei erfolgen. Damit keine Spuren verwischt werden.

Vom Apnoetauchen bis zum Transportschwimmen

Der nächste Basislehrgang für die Ausbildung startet heuer. Ein Zuckerschlecken ist das Training nicht: Zu den 1.850 Stunden an Kursen und Tauchgängen kommt noch Eigenstudium, „sonst schafft man es nicht“, sagt Pfeiffer. So gehört Apnoetauchen zur Ausbildung, damit die Taucher nicht in Panik verfallen, wenn das Tauchgerät ausfällt. 40 Meter Streckenschwimmen unter Wasser wird ebenso trainiert wie das Schwimmen gegen die Strömung. Und natürlich Transportschwimmen: Unter Wasser wird dabei mit einem Stahlgerüst die Bergung eines Autos trainiert.

Überdies müssen die Anwärter in einem Käfig unter Wasser vorgegebene Handgriffe ausführen – blind, denn die Taucherbrille wird dafür verdeckt. Der beinahe exzessiv anmutende Trainingsaufwand ist der Tatsache geschuldet, dass das Gehirn extrem viel Sauerstoff verbraucht: Je erfahrener und damit ruhiger die Taucher im Wasser sind, desto geringer der Verbrauch. Bei Einsätzen in Seen können die Taucher bis zu drei Mal jeweils 20 Minuten ins Wasser. „In einem Fluss wie der Donau geht das wegen des erhöhten Energieaufwandes nur einmal“, erläutert Pfeiffer.

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Die Taucher bei einer Bergungs-Übung.
Foto: LFKDO/Matthias Fischer, Tauchdienst

Taucherinnen gibt es im Team noch keine – aber vier Anwärterinnen. „Wir sind eine militärisch geführte Einheit“, spricht Pfeiffer die Disziplin an, auf die größter Wert gelegt wird. An dieser Vorgabe, sagt er, seien bereits einige Bewerber gescheitert.

Im Rahmen einer Kooperation mit dem Einsatzkommando Cobra dürfen die Feuerwehrtaucher im 6 Meter tiefen Becken am Cobra-Gelände in Wiener Neustadt trainieren. Im Ernstfall sind sie binnen 20 Minuten an jedem Einsatzort in NÖ – und das freiwillig.